Jack Wolfskin verklagt DaWanda wegen Tatze Jack Wolfskin verklagt DaWanda wegen Tatze
22. Oktober 2009 Dr. Dominik Faust

Jack Wolfskin und der Markenschutz

Auf der Online-Plattform DaWanda, einem „Marktplatz für Unikate und Selbstgemachtes“, wurden in der Vergangenheit Artikel mit Tatzenabdrucken angeboten, der dem Logo des Herstellers Jack Wolfskin ähnlich sahen. Es darf davon ausgegangen werden, dass einige DaWanda-Hersteller bewusst so handelten, um den über viele Jahre  erworbenen Bekanntheitsgrad von Jack Wolfskin für ihre wirtschaftlichen Zwecke zu nutzen. Gerade in globalisierten Märkten müssen Unternehmen das Recht und die Möglichkeit haben, sich vor Plagiaten effektiv schützen zu können. Nur so behalten Patente ihren Wert, führen Innovationen zu Wachstum und können Arbeitsplätze gesichert werden. Deshalb ist Jack Wolfskin mit einer Reihe von Abmahnungen gegen Herstellern vorgegangen, die „im geschäftlichen Verkehr handeln“.

David DaWanda gegen Goliath Jack Wolfskin

Dafür muss sich Jack Wolfskin jetzt im Social Web rechtfertigen. Dabei hätte das Unternehmen doch aus Fällen wie Jako, Otto und Co. lernen und versuchen können, sich zunächst mit dem Vertreiber und den Herstellern an einen Tisch zu setzen. Das hätte weniger Wind verursacht und man hätte sehr wahrscheinlich dennoch das Ziel eines effektiven Markenschutzes erreicht. Außerdem hätte man dabei im Dialog prüfen können, welche Tatzen tatsächlich der von Jack Wolfskin zum Verwechseln ähneln und welche eher nicht. Dass die direkte Kommunikation nicht umfassend genutzt wurde, ist nicht zuletzt deshalb unverständlich, weil es offenbar Gesprächsangebote von Seiten DaWanda gab. Stattdessen wurde ein Spiel „David gegen Goliath“ eröffnet, das seit jeher zu Solidarisierungen mit David führt.

Erpressbarkeit durch Social Media

Die genannten Fälle haben aber auch noch eine andere Dimension. Sie zeigen indirekt, dass Unternehmen im Social Web grundsätzlich leichter erpressbar sind. Denn im Nu lässt sich ihr Vorgehen trotz berechtigter Ansprüche kritisieren und ihr Image nachhaltig beschädigen. Das müssen Unternehmen in ihrer Kommunikation, in ihrer Krisen-PR stärker als bisher berücksichtigen. Hier ist insbesondere bei ihren Anwälten mehr Sensibilität und Verständnis für die Funktionsweise sozialer Netzwerke sowie für ihre Möglichkeiten erforderlich.

Foto: Faust / DFKOM

Update 23.10.2009:

Heute erklärte Jack Wolfskin, dass das Unternehmen seine umstrittenen Abmahnungen zurück nehmen werde, und dass in Zukunft anwaltliche Hilfe ein letzter Schritt sein solle.

Tagged: ,

About the Author

Dr. Dominik Faust Dominik verfügt über langjährige Expertise und etliche Zertifikate in Leadership, Change Management und digitale Kommunikation. Im Top-Management hat er selbst Unternehmen restrukturiert sowie zahllose Prozesse und Strukturen optimiert. Er promovierte über notwendige Veränderungen internationaler Organisationen zur Steigerung ihrer Effektivität und Effizienz. Dominik ist Dozent für Change Management und digitale Kommunikation an mehreren Hochschulen. Auf diesen Gebieten berät er seit Jahren Manager auf C-Level.

Comments (3)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.