Paris: Wir müssen auch unsere Freiheit vermarkten Paris: Wir müssen auch unsere Freiheit vermarkten
18. November 2015 Dr. Dominik Faust

Paris: Wir müssen unsere Freiheit vermarkten

Nein, Du kannst auf einem Marketing-Portal nicht über die jüngsten Anschläge von Paris schreiben. Das dachte ich zunächst. Doch dann las ich von Maud Serrault, der 37-jährigen Marketing- and E-Commerce-Chefin der Hotelkette Best Western in Frankreich. Bis vergangenen Freitag war sie quasi eine von uns. Ein Mitglied der europäischen Marketing-Community. Während des Konzerts im Bataclan wurde sie brutal aus dem Leben geschossen. Der Terror ist also ein Thema für uns.

Kreativität braucht Freiheit

Denn nicht nur in diesem sehr konkreten Fall tangieren uns Fachleute aus Marketing, Kommunikation, Produktmanagement und Vertrieb die Angriffe von Paris. Vielmehr bedrohen sie auch jene Freiheiten, die existenziell sind für die Ausübung unserer kreativen Berufe: Ohne öffentliche Sicherheit kein Vertrauen von Unternehmen und Verbrauchern in den Staat. Ohne offene Gesellschaft keine künstlerische Freiheit, kein Platz für innovative Marketing- und Werbekonzepte. Ohne öffentlichen Frieden keine unbeschwerte Konsumfreude auf öffentlichen Plätzen wie Weihnachtsmärkten, in großen Einkaufszentren, Restaurants, Bars oder Fußballstadien.

Diese Zusammenhänge bestätigt unter anderem der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher. Er warnte Anfang der Woche vor signifikanten Schäden für die Wirtschaft durch Terrorismus mit fatalen Folgen für die ökonomische Erholung Europas. Immerhin werde auch Deutschlands wirtschaftliche Dynamik fast ausschließlich durch die starke Nachfrage deutscher Konsumenten getrieben, so der Berliner Ökonom im Tagesspiegel. Unterdessen will die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) nach den Anschlägen von Paris negative Auswirkungen auf das Konsumklima hierzulande nicht ausschließen.

Terror als Marketing-Gag?

Ich möchte noch einen weiteren Zusammenhang zwischen unserer Branche und den Anschlägen von Paris skizzieren. Dabei geht es um die Inhalte unseres Schaffens und damit die Verantwortung für unser Tun. In der Regel sind sich die Unternehmen dieser Verantwortung für die Gesellschaft und den öffentlichen Frieden sehr bewusst und nehmen sie sorgfältig wahr. Es gibt allerdings schon mal unangemessene Ausrutscher. So hat etwa der amerikanische Publisher Activision die neueste Version seines Ego-Shooter-Spiels „Call of Duty: Black Ops 3“ im Rahmen einer 4-stündigen Twitter-Kampagne vermarktet. Das Perfide dabei: Die Kampagne wurde als Liveblogging über einen angeblichen Terroranschlag in Singapur so realitätsnah inszeniert, dass Bürger die Marketing-Aktion nicht als solche erkannten. Später entschuldigte sich das Unternehmen dafür.

Was wir nach Paris tun können

Vor dem Hintergrund der genannten Fakten wird überdeutlich, wie sehr uns Fachleute aus Marketing, Kommunikation, Produktmanagement und Vertrieb jede Form von Terrorismus und die durch ihn erzeugte Unsicherheit und Angst – wie gestern in Hannover – unmittelbar betrifft. Nicht zuletzt aus diesem Grund sollten wir uns vehement dagegen positionieren. Nach den Anschlägen von Paris haben dies Unternehmen weltweit getan, wie unter anderem diese Beispiele zeigen. Auf diese und andere Weise haben sie die Vermarktung ihrer Waren und Dienstleistungen um die Vermarktung eines noch höheren Gutes erweitert: unserer Freiheit. In diesem Sinne sind sie Vorbild für alle Unternehmen. Unabhängig von Größe und Markt.

Foto: Faust

Disclaimer: Dieser Beitrag erschien zuerst auf der Online-Plattform marconomy, dem führenden B2B-Fachportal für Führungs- und Fachkräfte aus Marketing, Kommunikation, Produktmanagement und Vertrieb in Unternehmen und Agenturen.

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About the Author

Dr. Dominik Faust Dominik verfügt über langjährige Expertise und etliche Zertifikate in Leadership, Change Management und digitale Kommunikation. Im Top-Management hat er selbst Unternehmen restrukturiert sowie zahllose Prozesse und Strukturen optimiert. Er promovierte über notwendige Veränderungen internationaler Organisationen zur Steigerung ihrer Effektivität und Effizienz. Dominik ist Dozent für Change Management und digitale Kommunikation an mehreren Hochschulen. Auf diesen Gebieten berät er seit Jahren Manager auf C-Level.

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