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Ein guter Tag für die EADS?

Bisher hat die EADS eine doppelte Doppelspitze: zwei Verwaltungsratsvorsitzende und zwei Vorsitzende der Geschäftsführung, paritätisch durch einen Franzosen und einen Deutschen besetzt. Doch diese Struktur ist bald endgültig vom Tisch. Heute haben sich alle Beteiligten darauf geeinigt, die Doppelspitze abzuschaffen. Ist das also ein guter Tag für die EADS? Sicher entfallen zwei Reibungsebenen. Beobachter erhoffen nun mehr Effektivität und Flexibilität, die Aktien dürften zunächst steigen. Unterschiedliche Interessen zwischen Franzosen und Deutschen sowie zwischen diesen beiden und Dritten werden allerdings bleiben. Der französische Staat tendiert zum Beispiel zu einer Erhöhung seines Anteils, Deutschland würde lieber weiter privatisieren. Andere Aspekte kommen hinzu.

Tom Enders nicht an der EADS-Spitze

Und wie sieht es mit den Personalien aus? Dr. Thomas Enders wird Chef von Airbus, Louis Gallois alleiniger CEO der EADS und Rüdiger Grube alleiniger Vorsitzender des EADS-Verwaltungsrates. Viele in der EADS und darüber hinaus hatten sich bis zu diesem Wochenende durchaus vorgestellt, Reservist “Major Tom” könne alleine an die Spitze des Konzerns diesen noch schneller voranbringen. Insbesondere das Defence & Security Business hätte von einem alleinigen CEO Enders profitieren können. Dessen eigener militärischer Hintergrund, seine Erfahrung in der deutschen und internationalen AeroDef-Community sowie seine Verbindungen in den AeroDef-Schlüsselmarkt USA wären äußerst hilfreich gewesen.

Airbus Tom Enders bringt sich weiter ein

Dies alles bringt Airbus Tom Enders künftig aus der zweiten Reihe ein, von wo aus er an seinen bisherigen Co-CEO Gallois berichtet. Der Fallschirmjäger wird sich darauf konzentrieren, von Toulouse aus den angeschlagenen Flugzeugbauer Airbus wieder zu stabilisieren. Airbus steuert zwei Drittel des Gesamtgeschäfts der EADS bei. Vielleicht kann Airbus Tom Enders auf seinem neuen Posten auch ein Stück zu einem internationalen Bewusstseinswandel beitragen. Dahingehend nämlich, dass die Firma Airbus keineswegs ein rein französisches Unternehmen ist.

Fazit

Die Sandwich-Lösung (französischer EADS-Chef wird umrahmt von einem deutschen VR-Chef und einem deutschen Airbus-Chef) ist gut. Damit ist es ein guter Tag für die EADS. Offen bleibt, ob mit der gefundenen Lösung nunmehr die Posten als solche einer Nation zugeordnet wurden oder ob sich das Karussell bei Personalwechsel erneut dreht (egal, was festgeschrieben wurde). Ungelöst bleibt allerdings der Einfluss nationaler Interessen Deutschlands und Frankreichs auf das europäische Unternehmen, das damit weiterhin seiner Zeit zu weit voraus zu sein scheint.

Foto: Faust

EADS: Der Zeit zu weit voraus?

Was in der Politik nicht funktioniert, kann auch in Unternehmen nicht funktionieren, in denen die Politik eine maßgebliche Rolle spielt. Was ich meine? Die Rede ist von Parallelen zwischen der EU und der EADS bzw. Airbus. Die EU ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Nationalstaaten, die auf bestimmten Gebieten ihre Souveränität zugunsten einer europäischen Zuständigkeit aufgegeben haben (z.B. Währung). Dennoch müssen europäische Interessen oft genug hinter nationalen Interessen zurück treten. So sei nur daran erinnert, dass etliche EU-Mitgliedsstaaten die EURO-Stabilitätskriterien nicht erfüllen bzw. erfüllten, weil nationale Haushalts-Interessen dagegen stehen bzw. standen.

EADS steht unter nationalen Einflüssen

Ähnlich ist es bei der EADS. Das oberste Ziel der multinationalen Konzerngründung im Jahre 2000 war es, die europäische AeroDef-Kompetenz zu bündeln, um im globalisierten Wettbewerb besser bestehen zu können. An sich eine gute Idee! Aber nationale Interessen – insbesondere der großen “EADS-Nationen” Deutschland und Frankreich – spielten von Beginn an eine große Rolle in dem neuen Konstrukt. So können Daten/Informationen, die für die militärische Sicherheit einer “EADS-Nation” von überragender Bedeutung sind, den anderen Partnern vorenthalten werden (Stichwort “Nuklearstreitmacht Frankreich”). Hinzu kommt, dass die beiden großen Partner bei der Besetzung von Führungspositionen streng auf Proporz achteten. Auch wenn sich das seit einiger Zeit etwas gelockert hat, und Kompetenz vor Proporz gehen soll, zeigt allein die EADS-Doppelspitze, dass keine der beiden Seiten ihren nationalen Einfluss reduzieren oder gar aufgeben möchte.

Kein echtes europäisches Aerodef-Unternehmen

Das ist sogar nachvollziehbar. Denn es gibt durchaus gute Gründe dafür, dass sich Regierungen von EU-Mitgliedsstaaten, die ihre hoheitliche Aufgabe der Verteidigung noch nicht an den Staatenverbund EU abgetreten haben, Einfluss auf jene Industriesparten in ihren Ländern sichern, die sie für ihre Verteidigungsaufgabe benötigen. Dazu gehört in erheblichem Maße eben auch die Luft- und Raumfahrtindustrie mit ihren darin verwobenen wehrtechnischen Komponenten.

Aus diesem Grund braucht ein europäisches AeroDef-Unternehmen mindestens eine echte und umfassende Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP). Erst dann kann es wie ein „normales“ Unternehmen weitgehend frei von nationalem politischen Einfluss agieren. Diese echte und umfassende ESVP wird es jedoch aus unterschiedlichen Gründen auf absehbare Zeit nicht geben. Insofern ist ein europäisches AeroDef-Unternehmen eigentlich noch nicht zeitgemäß. Die heutige Drohung von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, der Airbus-Mutter EADS notfalls Rüstungsaufträge zu entziehen, wenn hierzulande Airbus-Arbeitsplätze abgebaut werden sollten, bestätigt dies noch einmal.

Man kann dem weltweit führenden Unternehmen der Luft- und Raumfahrt, im Verteidigungsgeschäft und im dazugehörigen Dienstleistungsbereich nur wünschen, dass bald wieder Ruhe einkehrt an der politischen Front, damit es sich wieder voll auf seine herausragenden Hightech-Kompetenzen konzentrieren kann.

Foto: Faust

Zu Besuch bei den „Steinhoffs“

Mit einer Turboprop der Fluggesellschaft Cirrus Airlines flogen wir Mitglieder des Luftfahrt-Presse-Club e.V. (LPC) Süd am 8. September 2005 nonstop von München (MUC) nach Rostock-Laage (RLG). Vor Ort besuchten wir gleich das Jagdgeschwader 73 „Steinhoff“. Dort sind derzeit sieben doppelsitzige Eurofighter (Trainingsflugzeuge) und fünf Einsitzer stationiert. Von den insgesamt 180 Maschinen, die die deutsche Luftwaffe von der Eurofighter GmbH in Hallbergmoos (EADS: 46%, BAE Systems: 33%, Alenia Aeronautica: 21%) bekommt, werden 33 beim JG 73 stationiert. 21 von ihnen werden Einsitzer sein.

Nach einer Geschwader-Rundfahrt bei herrlichstem Wetter, einem Besuch im Tower und im Eurofighter-Simulator fuhren wir mit dem Bus ins traditionsreiche Restaurant „Teepott“. Dort trafen wir uns zum Abendessen mit dem (bayerischen) Wirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Otto Ebnet. Neben ihm sprach auch der Geschäftsführer der Rostocker System-Technik GmbH, Manfred Lehde, über die Situation der Luft- und Raumfahrtindustrie Mecklenburg-Vorpommerns. Als besonderen Gast des Abends begrüßten wir Hanni von Ohain, die Witwe des LPC-Ehrenmitgliedes Hans von Ohain, die aus den USA angereist war.

 

rostock

Am nächsten Tag wohnten wir der feierlichen Eröffnung des neuen Terminals des Flughafens Rostock-Lage bei. Nach einer Podiumsdiskussion zum Thema „Regionalflughäfen – Wohin soll die Reise gehen?“ flogen wir dann wieder zurück nach MUC. Einige von uns wählten dazu eine spontane Mitfluggelegenheit in einer A340-300, die speziell zur Eröffnung in RLG gelandet war.

Fotos: Faust