Plug and Play ist eigentlich ein Synonym für innovative, benutzerfreundliche Hard- und Software. Seit Februar 2006 ist es der Name eines der bedeutenden Venture-Capital-Unternehmen im Silicon Valley, das unter anderem in Google, PayPal, Dropbox und N26 investierte. Vor vier Jahren ist der kalifornische „Plug and Play Tech Center“ eine Partnerschaft mit dem zweitgrößten privaten Medienkonzern in Deutschland eingegangen, der Axel Springer SE. In Berlin bauten sie die Axel Springer Plug and Play Accelerator GmbH (ASPnP) auf. Der Accelerator gilt als einer der wichtigsten Beschleuniger der Medienindustrie. Er will Startups dabei unterstützen, neue digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln und die Innovationen umzusetzen. Vor Kurzem bekamen wir von der Changeberatung viadoo Gelegenheit, die Arbeitsweise des ASPnP kennenzulernen.
Von außen ist das Bürogebäude in der Markgrafenstraße 12-14 im Berliner Ortsteil Kreuzberg völlig unscheinbar. Es sind keine Firmennamen an der Fassade angebracht und erst ein Blick auf die kleinen Klingelschilder verrät, dass der ASPnP-Accelerator hier untergebracht ist. Am Treppenaufgang weist ein Schild mit einschlägigen Hashtags (#ASPnP #acceleratorLIFE) den Weg in obere Stockwerke. Dort öffnet sich hinter einer schweren Türe eine weite Teamfläche. Auf den weißen Außenwänden des großen Raumes haben sich Unbekannte mit mehr oder weniger sinnfreien Sprüchen verewigt. Weiße Schreibtische reihen sich hintereinander. Durchsichtige Plastikständer mit den Logos der Startups darauf verraten, welcher Tisch zu welchem Team gehört (vgl. Foto unten). Gleichzeitig wird der Raum von Künstlern als temporäres Atelier genutzt. Startups und Künstler sollen sich gegenseitig inspirieren. Interessant: Die Räumlichkeiten wurden zuvor bereits von Künstlern genutzt. Und davor wiederum beherbergten sie den Emergency Newsroom der BILD-Zeitung.

Foto: © Faust / viadoo GmbH
Plug and Play: Innovationen weiterentwickeln
In diesem Raum also dürfen seit Juni 2013 Startups für 100 Tage unterziehen. Dabei steht ihnen die technische Infrastruktur vor Ort zur Verfügung. Die jungen Unternehmen haben bereits ihre Gründungsphase abgeschlossen und bringen Prototypen oder markterprobte Geschäftsmodelle mit. Im ASPnP-Accelerator sollen sie entscheidende nächste Schritte vorankommen sowie weitere Kunden und Investoren überzeugen. Dazu können die Gründer die Kompetenzen von über 60 gründungserfahrene Mentoren nutzen. Hinzu kommen nach Angaben von Axel Springer sogenannte Fachpaten der Medien-Marken und der Beteiligungen des Konzerns. Außerdem können sie vom Netzwerk des Plug and Play Tech Center in den USA profitieren.
Die finanzielle Unterstützung ist auch nicht zu verachten. So erhält jedes der geförderten Start-ups eine Anschubfinanzierung in Höhe von 25.000 Euro. Im Gegenzug treten die Gründer fünf Prozent ihrer Anteile an ASPnP ab. Ausgewählte Startups erhalten zudem die Möglichkeit, einen Teil des Programms im Plug and Play Tech Center im Silicon Valley zu absolvieren. Pro Jahr fanden zunächst zwei Programmzyklen statt. Seit 2014 sind es drei. ASPnP nimmt in der Regel acht bis zwölf Startups pro Zyklus auf. Der Axel Springer Konzern fördert somit jährlich Innovationen von rund 30 Gründern. Über 90 Startups kamen seit 2013 in diesen Genuss. Zusätzlich setzte der Konzern einen Fonds für die Folgefinanzierung teilnehmender Startups auf. Chef im Ring ist seit Oktober 2013 Jörg Rheinboldt in der Funktion des CEO.
Investoren im Axel Springer Glaspalast gewinnen
Jedes Programm schließt mit einem „Demo Day“. An diesem Tag bzw. Abend stellen die Teams ihre digitalen Geschäftsideen einem ausgewählten Publikum internationaler Kapitalgeber vor, um Anschlussfinanzierungen zu erhalten. Für diesen Höhepunkt stellt Axel Springer sein repräsentatives Hauptgebäude zur Verfügung. Dies befindet sich einige Meter weiter in der Markgrafenstraße. Wer dort in den Glaspalast der Axel-Springer-Passagen eintritt, gelangt irgendwann in die so genannte Move Box. Auch wir von der Changeberatung viadoo durften heuer beim Pitchen einiger Start-ups im Axel-Springer-Haus dabei sein.

Foto: © Faust / viadoo GmbH
Unter anderem präsentierte sich dabei die Coachfox GmbH. Ihre Innovation besteht darin, den gesamten Coaching-Prozess auf einer Plattform abzubilden. Dadurch ermöglicht das Startup flexibles, zeit- und kosteneffizientes Coaching abends, am Wochenende, zwischen Terminen oder für Expats im Ausland. Inwieweit die Gründerinnen an diesem Abend tatsächlich bereits Investoren überzeugen konnten, entzieht sich unserer Kenntnis. Sicher ist aber, dass das Team durch die Präsentation sowie durch die Fragen der internen und externen Zuhörer den Blick aufs eigene Produkt weiter schärfen konnte. Das bestätigten auch die übrigen Startups im anschließenden Gespräch mit der Changeberatung viadoo.
Fotos: © Faust / viadoo GmbH