Das deutsche Digitalisierungsdesaster

4. September 2020
Posted in Disruption
4. September 2020 Dr. Dominik Faust

Das deutsche Digitalisierungsdesaster

Eine dynamische Liste gescheiterter Projekte und verpasster Chancen

Zugegeben: Digitalisierungsdesaster ist ein hartes Wort, und die Alliteration in der Überschrift verstärkt seine negative Konnotation. Diese passt eigentlich nicht in die Reihe unserer Blog-Beiträge. Denn darin berichten wir seit nunmehr 15 Jahren primär positiv über technische, methodische und organisatorische Innovationen sowie über daraus abgeleitete Veränderungen. Doch heute beleuchten wir von der Changeberatung viadoo einmal ganz bewusst die dunkle Seite der Digitalisierung. Wir sammeln Defizite, gescheiterte Projekte, verpasste Chancen. Dabei geht es uns nicht nur um ungenügende technische Lösungen, sondern auch um einen ausbleibenden Mindset-Change. Häufig fehlt noch die Erkenntnis, dass Binärcodes kein Ersatz für Umdenken sind. Mit fatalen Folgen: Organisationen setzen auf das Prinzip „Abwarten“ und bleiben in altem Silodenken verhaftet. Dadurch manövrieren sie sich wirtschaftlich ins Aus. Insofern mögen die folgenden Beispiele für das deutsche Digitalisierungsdesaster all jenen als Mahnung dienen, die beim Thema Digitalisierung noch zaudern.

Übrigens: Telekom-Chef Tim Höttges hatte den gleichen Sachverhalt in einem Podcast mit Gabor Steingart einmal so ausgedrückt: „Wir verlieren die zweite Halbzeit. In der ersten Halbzeit ging es um die Konsumenten-Plattformen, Social Media, Google, Facebook und Amazon. Diese Plattform-Firmen sind alle in Amerika oder auch in Asien entstanden, keine einzige davon in Europa. In der zweiten Halbzeit geht es darum, wo die Daten sitzen, in der Cloud, in den sogenannten Hyperscalern. Und wieder sitzen sie nicht in Europa.“ Dass wir in Deutschland bzw. Europa auch die zweite Halbzeit des Wettbewerbs um globale digitale Entwicklungen verlieren, ist im Zeitalter der Digitalisierung durchaus ein Desaster. Nun zu den ersten acht Beispielen, deren Liste wir im Laufe der Zeit fortsetzen werden:

1. Banken erwachten erst nach 16 Jahren – und scheiterten prompt

Es dauerte stolze 16 (in Worten: sechzehn) Jahre, bis die deutsche Kreditwirtschaft eine Alternative zu Paypal entwickelt hatte. Hiesige Banken und Sparkassen gingen im April 2016 mit ihrem Bezahlstandard Paydirekt an den Start. Paypal dagegen war bereits im März 2000 im Silicon Valley aus dem Zusammenschluss der beiden Firmen Confinity und X.com hervorgegangen. Zu den Gründern zählten keine Geringeren als der Deutsche Peter Thiel sowie Elon Musk. Nachdem die hiesigen Kreditinstitute dem stetigen Erfolg von Paypal über eineinhalb Jahrzehnte tatenlos zugesehen hatten, kamen sie in Deutschland schließlich mit Paydirekt auf den Markt. Doch da steuerte Paypal hierzulande bereits auf 20 Millionen Nutzer zu. 2018 überschritten die US-Amerikaner diese Schwelle und hatten damit jeden Vierten Deutschen als Kunden gewonnen. Heute hat Paypal weltweit über 277 Millionen aktive Nutzer. Paydirekt hat etwa 3,2 Millionen.

Was für ein Fehler auf dem Weg zum deutschen Digitalisierungsdesaster! Paydirekt kam viel zu spät und war letztlich auch nur eine Paypal-Kopie. Beobachter zufolge war das Angebot zudem zu teuer für die Händler und erreichte keine relevante Anzahl von Transaktionen. Außerdem sei die Gesellschafterstruktur (zuletzt: jeweils 33,33 Prozent GIZS für die Sparkassen-Finanzgruppe und DZ Bank für die Volks- und Raiffeisenbanken sowie je 16,67 Prozent Commerzbank/Comdirect und Deutsche Bank/Postbank) viel zu komplex gewesen, um gegebenenfalls schnell Entscheidungen treffen zu können. Jetzt soll Paydirekt in Giropay aufgehen, einem älteren Online-Bezahlverfahren deutscher Banken.

2. Autobauer ließen Konkurrenz über 10 Jahre lang gewähren

Auf die deutsche Automobilindustrie wird gerne abschätzig geblickt, wenn es um das Thema Digitalisierung geht. Sie habe die Entwicklung etwa in Sachen digitaler Vernetzung, autonomen Fahrens oder elektrischer Antriebe verschlafen. Unstrittig ist, dass die Firma Tesla im Silicon Valley seit 2003 an all diesen Themen forscht, Fahrzeuge mit entsprechenden Eigenschaften entwickelt und sie in Serie baut. Deutsche Volumenhersteller wie Volkswagen oder Premiumhersteller wie Daimler dagegen setzten auch nach 2003 in ihren Serien ungebrochen auf traditionelle Techniken (wenngleich sie diese immer weiter optimierten). Mehr als ein ganzes Jahrzehnt ließen sie Tesla und dessen treibende Kraft Elon Musk gewähren. Einzig Daimler erkannte die Bedeutung von Tesla und beteiligte sich daran 2009 mit 9,1 Prozent daran. Bis 2014 stießen die Stuttgarter ihre Anteile jedoch wieder vollständig ab.

Was für Fehler auf dem Weg zum deutschen Digitalisierungsdesaster! Tesla ist heute an der Börse mit rund 207 Milliarden Dollar mehr als doppelt so viel wert wie Volkswagen, dem nach Absatzzahlen größten Autobauer der Welt. Erst seit wenigen Jahren reagieren die deutschen Autobauer auf den Erfolg ihres neuen Mitbewerbers: Im Eiltempo verkürzten sie ihre Entwicklungsprozesse, bauten Kompetenz in der Softwareentwicklung auf und begannen in Ökosystemen zu denken. Doch wenn man sich die Modelle ansieht, die in den vergangenen Monaten auf den Markt kamen, dann können sie die Kunden offensichtlich nicht überzeugen. Sie haben eben Benzin in ihrer DNA. So werden der ID.3 von Volkswagen oder der EQC von Daimler den Herstellern bzw. ihren Händlern nicht gerade aus den Händen gerissen. Im Gegenteil: Seit Jahren rangiert der Renault Zoe an der Spitze der Zulassungsstatistiken von E-Autos. Allein im Juli 2020 kamen 2.851 Fahrzeuge dieses Typs neu auf die deutschen Straßen.

Digitalisierungsdesaster und die Ironie der Geschichte

Diese enttäuschende Entwicklung in Sachen E-Mobilität vor Augen, will die Bundesregierung Deutschland jetzt wenigstens zum „Wasserstoff-Land Nummer eins“ machen. Ironie dieser Geschichte: Just als Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier in diesem Sommer in Berlin die entsprechende Nationale Wasserstoffstrategie vorstellte, verschiffte der südkoreanische Hersteller Hyundai 50 Exemplare seines Brennstoffzellen-Lkw Hyundai Xcient nach Europa. Darauf machte uns unlängst ein Leser unseres Blogs aufmerksam. Touché!

3. Die Gesundheitskarte ist auch nach 20 Jahren noch nicht fertig

Bis 2001 starben weltweit rund 100 Menschen an einem Präparat zur Senkung von Blutfetten (Lipobay) des Arzneimittelherstellers Bayer. Dieser musste daraufhin das Medikament vom Markt nehmen und den Hinterbliebenen über eine Milliarde Dollar Entschädigungen zahlen. Danach brachte die Beratungsgesellschaft Roland Berger eine elektronische Gesundheitskarte (eGK) ins Spiel, auf der möglichst viele Patientendaten gespeichert werden sollten. Auf diese Weise wären teure Doppeluntersuchungen sowie gefährliche Wechselwirkungen von Medikamenten vermeidbar gewesen. Doch die beteiligten Unternehmen schafften es über viele Jahre nicht, die Ärzteschaft von ihrem Konzept zu überzeugen bzw. Vorschläge der Ärztinnen und Ärzte aufzugreifen.

Was für Fehler auf dem Weg zum deutschen Digitalisierungsdesaster! Bis heute gibt es keine eGK, die den Anforderungen von damals entspricht. Allerdings haben einzelne Krankenkassen mittlerweile eigene Lösungen entwickelt. So etwa die Techniker Krankenkasse (TK) zusammen mit IBM Deutschland. Mit ihrem System können TK-Mitglieder über eine App auf einen digitalen Safe zugreifen. Dort legen sie ihre elektronische „Gesundheitsakte“ ab, indem sie z.B. Arztbriefe speichern oder verschriebene Medikamente dokumentieren.

20 Jahre entsprechen im digitalen Zeitalter einer grandiosen Zeitreise. Die technischen Möglichkeiten haben sich in den vergangenen beiden Dekaden rasant weiterentwickelt. Sie haben das eGK-Lastenheft aus der Jahrtausendwende längst überholt. Die eGK wird es daher in ihrer ursprünglichen Form nie geben. Stattdessen soll die Gesundheitskarte jetzt als digitaler Schlüssel fungieren, mit denen Patienten ihren Safe in der Cloud öffnen und verschließen können. Wenn wir weitere 5, 10 oder 20 Jahre abwarten, gibt es sicher wieder neue Ideen dafür, wie das Konzept für die elektronische Gesundheitskarte ein weiteres Mal angepasst werden könnte, ohne dabei jedoch realisiert zu werden.

4. Die Defizite in der digitalen Lehre

Hinlänglich bekannt sind die gewaltigen Defizite in der digitalen Lehre, die in der Corona-Krise deutlich sichtbar wurden. Distance-Learning, E-Learning, Video-Unterricht. Die Liste der technischen Möglichkeiten wächst seit Jahrzehnten. Schon vor 20 Jahren hatten Firmen E-Learning-Angebote zur Weiterbildung etwa von Servicetechnikern großer Automobilhersteller entwickelt. Doch die deutschen Schulen, die in der Trägerschaft der öffentlichen Hand sind, gerieten in dieser Zeit im Vergleich dazu immer mehr ins Hintertreffen. Hinzu kommt die föderale Struktur im Bildungswesen, die Segen und Fluch zugleich ist. Der Bund hatte 2019 den Digitalpakt Schule ins Leben gerufen und dafür 5,5 Milliarden Euro bereitgestellt. Doch nach einer Umfrage der Bild am Sonntag unter den 16 Bundesländern waren bis zum Sommer 2020 nur 450,3 Millionen Euro davon bewilligt worden. Dabei wären die zurückliegenden Sommerferien die ideale Chance gewesen, Lehrkräfte zu schulen, Schulen technisch nachzurüsten sowie Schüler fit für Homeschooling zu machen.

Digitale Qualität der Lehre hängt von der Lehrkraft ab

Doch offenbar kollidieren solche Ziele u.a. mit der grundgesetzlich garantierten Freiheit der Lehre. So kann der Staat seinen Lehrkörpern an Schulen und Hochschulen nur eingeschränkte Vorgaben für den verbindlichen Einsatz digitaler Techniken machen. So hängt die digitale Qualität der Lehre weitgehend vom Engagement jeder einzelnen Lehrkraft ab. Das zeigt das Beispiel eines bayerischen Gymnasiums mit knapp 750 Schülerinnen und Schülern sowie rund 60 Lehrkräften: Nur eine Lehrerin nutzte im Corona-Lockdown von Beginn an die Chance, Lerninhalte via moderner Technik ihren zuhause eingeschlossenen Schülern zu vermitteln: Wie tat sie das? Sie produzierte Videos und stellte sie auf YouTube. Eine weitere Lehrkraft streamte nach dem Lockdown ihren Unterricht, damit ihn die zweite Klassenhälfte, die im Wechsel zuhause bleiben musste, ihn dort live mitverfolgen konnte.

In Sachen DSGVO war Letzteres wohl eine Gratwanderung. Und weil man eine im Präsenzunterricht anwesende Schülerin anhand ihrer Stimme hätte identifizieren könnte (ohne dass sie gefilmt worden wäre!), durfte eine Aufzeichnung des zuvor gestreamten Unterrichts nicht ins Internet gestellt werden. Pech für die Kinder! Die hätten das Video zur Nachbereitung des Unterrichts im Homeschooling noch einmal anschauen können. Was für ein Beitrag zum deutschen Digitalisierungsdesaster!

5. Verlage ohne gemeinsame digitale Vision

Im Jahre 2013 hatte der niederländische Journalist Marten Blankesteijn eine Vision: Seine Freunde sollten seine Artikel kaufen und lesen können, ohne dafür die Medien abonnieren zu müssen, für die Blankesteijn schrieb. Aus dieser Vision entwickelte er ein Jahr später zusammen mit Alexander Klöpping das Startup Blendle, einen Online-Kiosk für Zeitungsartikel. Schon 2015 hatten wir von der Changeberatung viadoo hier im Blog geschrieben, dass diese Idee eigentlich von einem Gemeinschaftsunternehmen deutscher Verlage hätte entwickelt werden müssen. „Doch eine solche intermediale digitale Entwicklungskompetenz der Verlage, ihrer Vermarkter oder Grossisten gibt es nicht“, schrieben wir damals, als wir über ein anderes Medien-Startup berichteten. Immerhin: Axel Springer und die New York Times investierten damals drei Millionen Euro in Blendle. Aber übernommen haben sie das Startup nicht. Das wechselte in diesem Sommer 2020 vielmehr zum französischen Mitbewerber Cafeyn. Der verfügt über einen Bestand von über 2.500 Zeitungen und Zeitschriften, auf den 1,5 Millionen Nutzer zugreifen.

Digitalisierungsdesaster

Digitales und selektives Zeitungslesen funktioniert mit Apps wie Blendle oder Bohème. Foto: © Faust / viadoo GmbH

Egal, ob Blendle überleben wird oder nicht: Aus der deutschen Medienbranche sind vergleichbare, also verlagsübergreifende digitale Visionen bisher nicht bekannt geworden. Ein weiteres trauriges Beispiel für das deutsche Digitalisierungsdesaster. Was natürlich nicht heißt, dass nicht einzelne Medienhäuser immer wieder innovative Ideen entwickeln und versuchen, sie mit Partnern umzusetzen. Erinnert sei hier etwa an die neu gegründete Media Pioneer Publishing AG von Ex-Spiegel- und Ex-Handelsblatt-Mann Gabor Steingart. Ihre Mission ist „ein Medienunternehmen neuen Typs“, das im wesentlichen unabhängig, pluralistisch und werbefrei sein möchte. An dem Startup hat sich die Axel Springer SE mit 36 Prozent beteiligt. Die Nutzer sollen sich mit bis zu zehn Prozent beteiligen können. 54 Prozent wollen der Gründer und sein Managementteam behalten.

Weitere Beispiele für das deutsche Digitalisierungsdesaster

6. Die europäische Cloud Gaia-X

Apropos Gesundheitsakte in der Cloud: Bekannte Beispiele für US-Amerikanische Lösungen zu Cloud Computing sind die iCloud von Apple, Google Drive, OneDrive von Microsoft oder Salesforce. Die Lösung von Google gibt es seit 2006, die von Microsoft folgte 2007. Vergleichbare Lösungen aus Deutschland fanden sich lange nicht. Erst zehn Jahre nach Google kam etwa die Deutsche Telekom 2016 mit Open Telekom Cloud auf den Markt. Angesichts der Marktmacht der US-Anbieter will die Bundesregierung jetzt ein europäisches Cloud-Angebot entwickeln. Das Konzept zu Gaia-X stellte sie 2019 vor. Man darf gespannt sein, ob und ggf. wann die beteiligten Behörden und Unternehmen (darunter Telekom, Siemens, SAP, Festo) damit Amazon & Co. relevante Marktanteile abspenstig machen können. Es droht doch eher ein weiterer Beitrag zum deutschen Digitalisierungsdesaster, wie auch Nico Lumma befürchtet.

7. Die Corona-Software BaySIM

Dass Behörden allerdings auch schnell sein können bei der Einführung neuer Software, hat das Bayerische Gesundheitsministerium bewiesen: Seit Mai dieses Jahres steht den 76 Gesundheitsämtern im Freistaat das  Tool „Bayerisches System für Infektionsketten-Management“ (BaySIM) zur Verfügung. Mit dieser Software sollen die Behörden Corona-Infizierte leichter erfassen und ihre Kontaktpersonen schneller ermitteln können. Eigentlich eine gute Sache! Doch nach Angaben der Bayerischen Staatsregierung (als Antwort auf eine schriftliche Anfrage der Grünen Landtagsabgeordneten Katharina Schulze) wenden rund 50 Gesundheitsämter die Software gar nicht an, sondern vertrauen lieber weiterhin auf ihre Insellösungen oder Excel-Tabellen. Daran dürfte sich zunächst auch nichts ändern, denn der Einsatz von BaySIM ist für die Ämter freiwillig!

8. Die erste digitale Luftfahrtmesse der Welt

Ein weiteres Beispiel für das deutsche Digitalisierungsdesaster war die „weltweit erste digitale Luft- und Raumfahrtmesse“. Als solche priesen der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) sowie die Messe Berlin die diesjährige ILA an. Doch das, was vollmundig als virtuelle Messe angekündigt wurde, war eine mit heißer Nadel gestrickte Website mit schlechtem User Interface (UI) und einer ebenso schlechten User Experience (UX). ILA goes digital war halbherzig und emotionslos. Ursache für den digitalen Reinfall waren die äußerst kurzfristige Planung, fehlende State-of-the-Art-Techniken sowie ein unausgereiftes Konzept. Dadurch waren Anspruch und Wirklichkeit nicht in Übereinstimmung zu bringen, was man den operativ Verantwortlichen allerdings nicht zum Vorwurf machen konnte.

To be continued …

Fotos: © Faust / viadoo GmbH

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Dr. Dominik Faust

Dominik verfügt über langjährige Expertise und etliche Zertifikate in Leadership, Change Management, digitale Kommunikation und Business Moderation. Als Führungskraft (+70 MA) hat er selbst zahlreiche Wandelvorhaben initiiert und konzipiert sowie unter Einbindung der Betroffenen erfolgreich realisiert. Er promovierte über notwendige Veränderungen internationaler Organisationen zur Steigerung ihrer Effektivität und Effizienz. Dominik ist Gastdozent für Change Management und Change Communications an mehreren Hochschulen. Auf diesen Gebieten berät er mit seinem Team seit Jahren erfolgreich Manager auf C-Level.

Comment (1)

  1. Dr. Dominik Faust

    Passend zu dieser Geschichte veröffentlichte das Handelsblatt am 7. September einen Artikel mit dem Titel „Frankreich läuft Deutschland bei digitaler Wettbewerbsfähigkeit den Rang ab“: https://www.handelsblatt.com/politik/international/digitale-transformation-frankreich-laeuft-deutschland-bei-digitaler-wettbewerbsfaehigkeit-den-rang-ab/26159058.html

    Der Inhalt dieses Artikels konnte nicht überraschen. Allerdings wäre es zu kurz gesprungen, für das Abrauschen der digitalen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im internationalen Vergleich primär die Politik verantwortlich zu machen. Das Handelsblatt schreibt zwar, in der Studie von Philip Meissner et al. sei der fehlende digitale Mindest „die größte Schwäche“. Es würde mich jedoch wundern, wenn das European Center for Digital Competitiveness by ESCP Business School dies allein auf die Politik bezogen hätte – zumal die Einstellung zu unternehmerischen Risiken als weiteres Kriterium der Vergleichsstudie genannt wird.

    Für das deutsche Digitalisierungsdesaster sind vielmehr auch hiesige Firmen in die Pflicht zu nehmen. Philipp Depiereux weist etwa im Zusammenhang mit dem jüngsten Treffen von Tesla-Chef Elon Musk mit dem Chef der Volkswagen AG, Herbert Diess, auf die Versäumnisse der Automobilindustrie hin. Doch die Liste der Unternehmen, die lieber Abwarten, im Silodenken verhaftet bleiben und am Ende Opfer der Disruption werden, geht leider quer durch alle Branchen.

    Die Industrie- und Innovationsförderung in Frankreich ist übrigens bereits lange (!) vor Macron entschlossener, effektiver und konsequenter als in Deutschland. Das müssen seit Jahrzehnten die hiesigen Unternehmen der Luft- und Raumfahrtindustrie (hilflos) mit ansehen.

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