Digitalisierung: Binärcodes sind kein 
Ersatz fürs Umdenken

31. August 2017 Dr. Dominik Faust

Digitalisierung: Binärcodes sind kein 
Ersatz fürs Umdenken

Können Sie das Wort „Digitalisierung“ schon nicht mehr hören? Es wäre nicht verwunderlich! Denn es gibt kaum einen Begriff, der einerseits so häufig verwendet wird und andererseits so inhaltsleer ist. Sein Problem: Man kann alles Mögliche darunter verstehen. Im Bereich Mobilität zum Beispiel bedeutet der Begriff für die Hersteller die Vernetzung von Fahrzeugen, das autonome Fahren oder die Elektrifizierung des Antriebs. Andere verstehen darunter den Akt, Geschäftsmodell ins Internet zu übertragen sowie Geschäftsprozesse in Binärcodes darzustellen. Tatsächlich geht es beim Thema Digitalisierung jedoch um weit mehr!

Mentale Grenzen überwinden

Es geht um Veränderungen im Denken und Handeln von Fach- und Führungskräften, aber auch der übrigen Beschäftigten. Es geht um die Transformation von Kulturen in Unternehmen. Es geht um den Wandel von Strukturen. Digitalisierung ist daher eigentlich ein Synonym dafür, mentale Grenzen zu überwinden, persönliche Scheuklappen abzubauen, Kompetenzen und Ressourcen zu vernetzen, von den Bedürfnissen der Kunden her zu denken. Wenn man zum Beispiel Verkäufern im Autohandel noch Provisionen dafür zahlen muss, dass sie zusätzliche Leistungen wie Garantien veräußern, dann ist der Handel noch tief im Silodenken verhaftet. Denn dann begreift der Verkauf noch immer nicht, dass seine Gehälter vom Werkstattgeschäft mittels größerem Deckungsbeitrag mitfinanziert werden.

Wie man lang bekannte Probleme löst

Ja, Digitalisierung ist auch ein Synonym für wachsende Komplexität. Vorbei sind die Zeiten, in denen eine Branche unter sich bleiben konnte. Allein dieser Veränderungsprozess ist für viele Unternehmen schwer zu verdauen, die es gewohnt waren, in ihrer Branche unter sich zu sein. Man kennt sich, man versteht sich, man genießt das Wir-Gefühl der Komfortzone. Und plötzlich gibt es da Mitspieler, die bisher keinerlei Bezug zu einer der alten Branchen hatten. Was diese neuen Player aber haben, sind Ideen. Ideen, wie man eigentlich lang bekannte Probleme löst. Daraus entwickeln sie Startups, die etablierte Unternehmen nicht zuletzt mit ihrer agilen Organisation und ihrem Innovationstempo herausfordern. Wir haben in diesem Blog bereits mehrfach über solche Startups und ihre Innovationen berichtet – wie etwa über die Medien-App Bohème, die Content ins Café liefert.

Digitalisierung ist keine Patentlösung für Probleme

Hersteller und Händler, die begreifen, dass Digitalisierung ein Synonym für Umdenken ist und keine Patentlösung für Probleme, haben gute Zukunftschancen. Denn sie verstehen, dass es keine Lösungen von der Stange gibt. Jeder muss sich für sein Unternehmen Gedanken über neue Geschäftsmodelle, digitale Prozesse, den Einsatz von Techniken machen. Mehr noch: Er sollte auch nach Optimierungspotenzial in seinen Prozessen suchen. Denn andernfalls gilt das, was Thorsten Dirks, CEO Telefónica Deutschland, im Oktober letzten Jahres in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte:

„Wenn Sie einen Scheißprozess digitalisieren, dann haben Sie einen scheiß digitalen Prozess.“

Eines ist klar: Die Erwartungen der Kunden entwickeln sich analog zur digitalen Technik ständig weiter. Wer sie nicht erfüllt, wird mit der Zeit gehen, weil er nicht mit der Zeit gegangen ist. Das ist eine Herausforderung besonders für Führungskräfte, für Leadership.

Titelbild: © Faust/viadoo 2015

, , ,

Dr. Dominik Faust

Dominik verfügt über langjährige Expertise und etliche Zertifikate in Leadership, Change Management und digitale Kommunikation. Im Top-Management hat er selbst Unternehmen restrukturiert sowie zahllose Prozesse und Strukturen optimiert. Er promovierte über notwendige Veränderungen internationaler Organisationen zur Steigerung ihrer Effektivität und Effizienz. Dominik ist Gastdozent für Change Management und Change Communications an mehreren Hochschulen. Auf diesen Gebieten berät er seit Jahren Manager auf C-Level.