Drei Wege aus der Krise mit Staatshilfe

19/01/2021 Dr. Dominik Faust

Drei Wege aus der Krise mit Staatshilfe

Innovative Angebote + Digitale Transformation + Agile Strukturen

Die Covid-19-Krise dauert gemäß unserer Corona-Uhr mittlerweile 309 Tage. Doch auch wenn wir sie hierzulande in 2021 überwinden sollten: Es wird keinen Weg zurück in die Zeit vor Corona geben. Vielmehr müssen wir mit der nächsten Pandemie rechnen, mit Naturkatastrophen, Cyber-Angriffen, internationalen Konflikten. Damit Unternehmen in dieser volatilen, unsicheren, komplexen und ambivalenten Welt widerstandsfähig und zukunftsfähig bleiben, empfehlen wir von der Changeberatung viadoo seit langem drei Wege aus der Krise: Erstens die Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle, Produkte und Services. Zweitens Investitionen in die Digitalisierung. Sowie drittens das Schaffen agiler Strukturen für rasche Entscheidungen. Der Staat bezuschusst übrigens entsprechende Veränderungsvorhaben derzeit mit bis zu 50 Prozent der Projektkosten – etwa durch das Programm „Digital Jetzt!“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Die Vorteile und Konditionen dieses Programms stellen wir hier ausführlich vor.

Inhaltsübersicht:

1. Innovative Geschäftsmodelle, Produkte und Services entwickeln

Kundenbedürfnisse in den Mittelpunkt stellen

Innovationsmanagement optimieren

Mit neuen Geschäftsfeldern mehr Erfolg haben

2. Investitionen in die digitale Transformation tätigen

3. Agile Strukturen für rasche Entscheidungen schaffen

Fazit: Drei Wege aus der Krise

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1. Innovative Geschäftsmodelle, Produkte und Services entwickeln

Im ersten der drei Wege aus der Krise geht es ums Entwickeln innovativer Geschäftsmodelle, Produkte und Services. Wir beleuchten eingehend, welche Optionen Unternehmen haben, um innovativ sein zu können.

Wege aus der Krise

Die innovative Studie eines autonomen Fahrzeugs (Smart) ohne Lenkrad und Pedalen für die Smart City. Foto: © Faust / viadoo GmbH

Kundenbedürfnisse in den Mittelpunkt stellen

Dass der Mensch bei ihnen im Mittelpunkt steht, behaupten viele Firmen. Doch wo ist der Unterschied zu Kannibalen, die das ähnlich sehen? Es sollten besser die Bedürfnisse von Menschen (B2C) bzw. von Organisationen (B2B) im Mittelpunkt unternehmerischer Angebote stehen. Denn was nutzt ein Produkt, für das sich niemand interessiert? Wer sein Unternehmen erfolgreich aus der aktuellen Krise heraus führen und es widerstandsfähig und zukunftsfähig halten möchte, der kommt nicht um attraktive, innovative Angebote herum.

Die Frage ist, ob man als Unternehmen schon innovative Angebote hat oder erst noch entwickeln muss. Für Aufgaben wie diese wählen wir von der Changeberatung viadoo das Motto „Ohne Herkunft keine Zukunft“. Das bedeutet, dass wir Organisationen empfehlen, zunächst auf ihre Ist-Situationen zu schauen. Entsprechen die bisherigen Geschäftsmodelle, Produkte, Services noch den sich gegebenenfalls veränderten Bedürfnissen der Nutzer? Spiegeln sie eine ausreichend breite Marktsicht statt eine enge Produktsicht wider? Solche und ähnliche Fragen sind zu klären.

Innovationsmanagement optimieren

Sofern das bisherige Portfolio den Ansprüchen der Märkte nicht mehr genügt, ist Innovationsmanagement gefragt. Mit entsprechenden Methoden und Workshop-Formaten können Firmen zum Beispiel auf das Innovationspotenzial ihrer Beschäftigten und Kunden zurückgreifen. Das kann dann sogar in eigene Intrapreneurship-Programmen münden.

Unternehmen, die alternativ oder zusätzlich das Innovationspotenzial externer Kräfte nutzen möchte, haben weitere Optionen. Sie können sich – etwa im Rahmen von Acceleratoren oder Inkubatoren – an Start-ups mit innovativen Angeboten beteiligen. Von ihnen können sie dann außerdem agile Arbeitsweisen und flache Hierarchien lernen. Alternativ bietet sich an, eigene Start-ups via Corporate Company Builder zu gründen.

Und natürlich geht es immer darum, die durch Innovationen notwendig gewordenen Wandelvorhaben im Rahmen von Change-Management-Architekturen sorgfältig zu planen und umzusetzen.

Mit neuen Geschäftsfeldern mehr Erfolg haben

Es existieren also verschiedene Wege zu innovativen Geschäftsmodellen, Produkten und Services. Doch wie viele Firmen schlagen diese Wege tatsächlich ein, um neue Geschäftsfelder zu erschließen? Nach einer aktuellen Erhebung des Branchenverbandes Bitkom plant weniger als die Hälfte der befragten Unternehmen (46 Prozent), sich 2021 nachhaltig zu digitalisieren, um sich so neue Geschäftsfelder zu erschließen. Der Rest dürfte sich mit dem Optimieren des Vorhandenen begnügen, was der schweizerische Innovationsforscher Alexander Osterwalder als „Exploit-Projekte“ bezeichnet – im Unterschied zu „Explore-Initiativen“.

Diese Zurückhaltung ist übrigens weder nur Corona-bedingt noch gilt sie exklusiv für kleine und mittlere Unternehmen (KMUs). Vielmehr hat der Schweizer Company-Builder Stryber ermittelt, dass auch börsennotierte Firmen wenig neue Geschäftsfelder entwickeln. Laut seiner Untersuchung von 1.838 gelisteten Unternehmen aus Europa, Großbritannien und den USA hat lediglich ein Drittel von ihnen zwischen 2010 und 2019 ein neues Geschäftsfeld in ihren Geschäftsberichten ausgewiesen.

Das verwundert umso mehr, als dass Firmen mit neuen Geschäftsfeldern gemäß derselben Statistik erfolgreicher sind als die anderen. So erzielten die Anteilseigner jener Unternehmen laut ergänzenden Informationen des Handelsblatt eine jährliche Rendite von bis zu 11,2 Prozent.

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2. Investitionen in die digitale Transformation tätigen

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Innovative Lösungen sind häufig digitale Lösungen. Sie erleichtern Menschen das Leben und erhöhen die Effektivität und Effizienz von Unternehmen. Investitionen in die Digitalisierung von Angeboten und Kundenbeziehungen einerseits sowie in die Digitalisierung interner Prozesse andererseits ist daher nach unserer Überzeugung der zweite der drei Wege aus der Krise. Wie sieht es diesbezüglich bei den Firmen aus?

Unternehmen geben Vollgas beim digitalen Arbeiten

Viele Unternehmen haben zumindest im Teilbereich digitales Arbeiten eine steile Lernkurve im Coronajahr 2020 erzielt. Denn im Frühjahr schickten sie acht Millionen Beschäftigte ins Homeoffice. In der Folge mussten die IT-Abteilungen in Windeseile Laptops beschaffen, sichere VPN-Clients einrichten, den Umgang mit Security-Token lehren und sensible Daten auf Cloud-Server auslagern. Führungskräfte wiederum mussten neue Prozesse aufsetzen, regelmäßige Videokonferenzen einführen und lernen, ihre Teams auf Distanz zu führen. Diese Maßnahmen waren und sind wichtig zur Digitalisierung interner Prozesse.

Firmen haben kaum Zeit und Know-how für digitale Angebote

Remote Work ersetzt jedoch keine Investitionen in die Digitalisierung von Angeboten mit direktem Zugang zu den eigenen Kunden und ihren Bedürfnissen. Dazu passende Stichworte lauten etwa Plattform-Ökonomie und Netzwerkeffekt. Doch um sie zu etablieren, fehlen vielen Unternehmen in der Pandemie-bedingten Wirtschaftskrise die finanziellen Mittel. Aber nicht nur! Vielmehr gibt laut Bitkom mehr als jeder zweite (55 Prozent) befragte Manager das Fehlen geeigneter Fachkräfte als weiteres Hindernis an. Und einem Drittel (33%) der Unternehmen fehlte bereits vor der Krise schlicht die Zeit für die Digitalisierung. In der Krise hat aktuell rund die Hälfte keine zeitlichen Ressourcen für dieses essenzielle Zukunftsthema. Offenbar nicht einmal für den Aufbau einer Digital Unit als Keimzelle der Digitalisierung.

Firmen verpassen Internet of Behaviors (IoB) und andere Trends

Dabei gibt es jedes Jahr neue Hightech-Trends, die für Unternehmen kurz- bis mittelfristig strategische Bedeutung gewinnen. Nach Angaben der US-Forschungsgesellschaft Gartner gehört 2021 zum Beispiel das Internet of Behaviors (IoB) zu diesen Entwicklungen. Dabei sollen Daten das Verhalten von Menschen verändern. Das Thema ist höchst sensibel, da es u.a. ethische und gesellschaftliche Aspekte berührt, allen voran aber das Thema Datenschutz. Dazu passt die Nachricht, dass der britische Computerwissenschaftler Sir Tim Berners-Lee mit seinem Startup Inrupt die Open-Source-Software Solid entwickelt, mit der Nutzer ihre Daten an einem zentralen Ort selbst verwalten können. Den IoB-Trend sollten Unternehmen im Zuge ihrer Digitalisierung ebenso beachten wie zum Beispiel das schon ältere, aber immer relevanter werdende Thema Künstliche Intelligenz (KI).

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3. Agile Strukturen für rasche Entscheidungen schaffen

Im letzten der drei Wege aus der Krise geht es ums Schaffen agiler Strukturen, die rasche Entscheidungen möglich machen.

Wege aus der Krise

In einem Workshop der Changeberatung viadoo entwickeln Teilnehmende neue Strukturen (Symbolbild). Foto: © Faust / viadoo GmbH

Coronakrise offenbart Schwächen komplexer Bürokratie

Die ordentliche Zulassung, die Beschaffung und die Verteilung der Corona-Impfstoffe auf europäischer Ebene haben die Auswirkungen komplexer Strukturen deutlich gemacht. Nach entsprechender Kritik an der Impfstrategie hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in den letzten Wochen immer wieder darauf hingewiesen, wie herausfordernd die Prozesse waren. Zu Beginn dieser Prozesse seien die 27 Mitgliedsstaaten der EU, ihre jeweils zuständigen nationalen Behörden sowie die EU-Kommission und deren Bürokratie einzubinden gewesen. In Deutschland hätten dann weitere Abstimmungen zwischen dem Bund und den 16 Bundesländern mit ihren 294 Kreisen bzw. Landkreisen und 107 kreisfreien Städten bzw. Stadtkreisen erfolgen müssen. Ein weiteres Beispiel für die Schwäche komplexer Bürokratie haben wir im Sommer anhand der Corona-Hilfen aufgeigt: Bürokratie frisst Chancen zum Frühstück.

Geschwindigkeit wird für Unternehmen immer wichtiger

Während viele Behörden weiterhin in historisch gewachsenen komplexen Strukturen agieren müssen, erkennen immer mehr Unternehmen die Vorteile schlanker bzw. agiler Strukturen. Mit ihnen können sie nämlich schnelle Entscheidungen treffen. Das gilt nicht nur für Krisenzeiten. Denn auch in „normalen“ Zeiten kommt es heutzutage darauf an, dass Verantwortliche in kürzeren Abständen Geschäftsmodelle, Produkte und Services überprüfen. Zudem müssen sie Entwicklungszyklen an Bedürfnisse der Nutzer anpassen und die Time-to-Market verkürzen. Um rasch gute Entscheidungen treffen zu können, benötigen Entscheidungsträger eine möglichst breite Datenbasis und eben möglichst flache Hierarchien. Darüber hinaus ist eine Unternehmenskultur notwendig, die Lust auf Entscheidungen macht und nicht Angst vor Verantwortung schürt (Fehlerkultur). Wer gestärkt aus der aktuellen Krise kommen und resilient gegenüber künftigen Herausforderungen sein möchte, sorgt jetzt für diese Struktur und Kultur.

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Fazit: Drei Wege aus der Krise

Wer bis vor einem Jahr nicht genau wusste, was das hinter der Abkürzung VUKA stehende Begriffs-Quartett für seine Organisation bedeuten könnte, dem wurde es spätestens mit dem Verhängen der Lockdowns deutlich. Viele Parameter wichen plötzlich weit von ihren Standardwerten ab (Volatilität). Alle Entscheidungsträger mussten ihre Pläne über Bord werfen und konnten von einem Tag auf den anderen nur noch auf Sicht fahren (Unsicherheit). Die ohnehin schon von vielen Menschen als sehr komplex wahrgenommene Welt wurde plötzlich durch die Pandemie um eine weitere Dimension aufgeladen (Komplexität). Dies führte zu innerer Zerrissenheit (Ambivalenz) und mündete bei vielen in eine Achterbahn der Gefühle.

Auch Investitionen in Nachhaltigkeit dienen der Zukunftssicherung

Tausende Unternehmen stecken seither in der Krise. Das BIP schrumpfte hierzulande 2020 um fünf Prozent. Drei Wege aus der Krise empfehlen wir von der Changeberatung viadoo: Innovative Geschäftsmodelle entwickeln, in die Digitalisierung investieren sowie agile Strukturen schaffen. Doch das wird ganz sicher nicht die letzte Krise dieses Ausmaßes gewesen sein. Auch in den kommenden Jahrzehnten werden Unternehmen vor vergleichbare Herausforderungen gestellt. Jedesmal werden dann wieder Langfristpläne obsolet, braucht es schnelles Entscheiden, müssen Lieferketten und Liquidität gesichert sein. Mit den genannten Maßnahmen können sich Organisationen und ihr Top-Management auch darauf vorbereiten. Denn damit erhöhen sie ihre Resilienz und Zukunftsfähigkeit. Die hier vorgestellten drei Wege aus der Krise können natürlich beliebig erweitert werden. So bieten sich nicht nur Investitionen in Innovation und Digitalisierung an, sondern auch in Nachhaltigkeit. Denn Klimaschutz wird spätestens nach dieser Pandemie zu einem vorherrschenden Thema. Mit deutlichen Schnittmengen zur Technologie und damit auch zur Digitalisierung.

„Digital Jetzt!“ fördert Investitionen in die Digitalisierung

Und wie gesagt: Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert mit dem Programm „Digital Jetzt“ die Digitalisierung kleiner und mittlerer Unternehmen ab drei Beschäftigter. Geld fließt zum einen für Investition in digitale Technologien wie die Digitalisierung von Prozessen und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Aber auch Anwendungen in den Bereichen Künstliche Intelligenz (KI), Cloud-Computing, Big Data, Sensorik, 3D-Druck, IT-Sicherheit fördert der Staat (Modul 1). Im Modul 2 unterstützt die öffentliche Hand zudem entsprechende Qualifizierungs-Maßnahmen von Beschäftigten. Weitere Informationen zum Programm „Digital Jetzt!“ haben wir hier zusammengestellt.

Fotos (2): © Faust / viadoo GmbH

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Dr. Dominik Faust

Dominik verfügt über langjährige Expertise und etliche Zertifikate in Leadership, Change Management, digitale Kommunikation und Business Moderation. Als Führungskraft (+70 MA) hat er zahlreiche Wandelvorhaben initiiert und konzipiert. Aus misslungenen zog er wichtige Lehren, gelungene Changes realisiert er bis heute regelmäßig unter aktiver Einbindung der Betroffenen. Dominik promovierte über notwendige Veränderungen internationaler Organisationen zur Steigerung ihrer Effektivität und Effizienz. Auf Basis seiner breiten theoretischen und praktischen Change-Expertise berät er im viadoo-Team erfolgreich Führungskräfte auf C-Level.