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10. September 2017 Dr. Dominik Faust

Inkubatoren der Automobilindustrie

Seit etwa fünf Jahren suchen etablierte Unternehmen strategische Nähe zu Startups. Dazu legten zunächst Firmen wie Microsoft, SAP, Deutsche Telekom, Allianz, Bayer, Scout24 Accelerator-Programme auf. Es folgten Beschleuniger und Brutkästen der Medienindustrie. Mittlerweile haben auch Unternehmen der größten Industrie des Landes, der Automobilindustrie, Angebote für Startups geschaffen. Ihr Ziel: Innovations- und Kulturtransfer zur Zukunftssicherung. Wir werfen einen Blick auf deutsche Premiumhersteller.

Daimler: Kulturwandel via Startup Autobahn

Als „Bullshit Castle“ und „Festung“ bezeichneten die Vorstände Jürgen Schrempp und sein Nachfolger Dieter Zetsche einmal die Zentrale der Daimler AG in Stuttgart Möhringen. Damit brachten sie zum Ausdruck, wie verkrustet die Strukturen des Weltkonzerns waren und zum Großteil noch sind. Sie passten nicht mehr in eine sich immer schneller drehende und entwickelnde Welt. Insbesondere Dieter Zetsche erkannte bereits vor über zehn Jahren, dass künftig nur jene Unternehmen Erfolg haben würden, die flexibel auf Entwicklungen reagieren, sich agil bewegen und innovationsfähig sein könnten. Teamfähigkeit, Transparenz bei (auch einschneidenden) Entscheidungen, Kommunikation mit allen Stakeholdern, flache Strukturen – diese Faktoren hatte Zetsche bereits als Chrysler-Chef (2000 – 2006) als Garanten für langfristigen Erfolg erkannt.

Dazu wird nicht nur die neue Konzernzentrale im Campus-Stil nach dem Vorbild digitaler Riesen im Silicon Valley beitragen. Vielmehr dient auch die Kooperation mit Startups dazu. So will der Konzern mit seinen rund 285.000 Mitarbeitern eine neue Firmenkultur (Leadership 2020) und agilere Organisationsstrukturen (z. B. interstrukturelle Teams bzw. Schwärme) etablieren. Ein Beispiel dafür ist die im Juli 2016 ins Leben gerufene Startup Autobahn. Dabei handelt es sich um ein Programm, das Startups bzw. ihre Innovationen beschleunigen will – eben wie auf einer Autobahn. Gefördert werden Ideen zu den Themen Internet of Things (IoT), Produktionstechnik, Logistik, ortsbasierte Services, Cyber Security, Biometrie, Sprachverarbeitung, Prozessoptimierung, Kundenerlebnis und Predictive Analytics, die Vorhersagen ermöglichen. Partner sind der Startup-Finanzier Plug & Play aus dem Silicon Valley, die Universität Stuttgart sowie die Kooperations-Plattform Arena 2036. Außerdem sind HPE, DXC, ZF, BASF, Porsche, DPDHL und Webasto beteiligt.

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Startup Autobahn investiert in Seed-Stage-Unternehmen mit Seed-Capital. Drüber hinaus fördert das Programm Unternehmen, die schnell und dynamisch wachsen und innerhalb weniger Jahre Marktführer in ihrem Segment werden können. Dabei handelt es sich in der Regel um Growth-Stage-Unternehmen, die bereits über stark wachsende Umsätze und eine skalierbare Infrastruktur verfügen.
Startup Autobahn legt jährlich zwei dreimonatige Programme auf, die jeweils von einem Expo-Day abgeschlossen werden. Unterstützt wird mit Räumen, Geldmitteln, Menschen, Ressourcen sowie mit Zugängen zu Netzwerken von Unternehmen, Investoren, Mentoren, Universitäten und Regierungsvertretern. Angaben über konkrete Förderhöhen gibt es nicht.
Startups können über dieses interaktive Formular ihr Pitch Deck hochladen.

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BMW: Innovationen aus der Startup Garage

Während Daimler voll auf den Inkubator setzt, kooperiert Mitbewerber BMW auf unterschiedlichen Ebenen mit Startups. Bereits 2014 hatten die Bayern zusammen mit dem Zentrum für Innovation und Gründung an der TU München – UnternehmerTUM – die TechFounders ins Leben gerufen. Das Accelerator-Programm unterstützt Tochnologie-Startups im Rahmen einer 20-wöchigen Förderungsphase mit je 25.000 Euro. In dieser Zeit werden sie auf ihre erste Venture-Capital-Phase vorbereitet und dabei unterstützt, Partner für eine strategische Zusammenarbeit zu finden. Darüber hinaus hat der Münchner Autobauer die Venture-Capital-Gesellschaft BMW i Ventures gegründet, die ebenfalls in Startups investiert, die innovative Lösungen für Mobilität in urbanen Räumen entwickeln.

Seit April 2015 nutzt BMW das Potenzial besonders innovativer Startups, indem es deren Ideen als Kunde in Anspruch nimmt. Den Rahmen dafür bietet die so genannte BMW Startup Garage. Anders als der Konzern mit seinen häufig trägen Prozessen soll die neue Schnittstelle schnelle, agile und unkonventionelle Kooperationsmöglichkeiten bieten – wie in einer Werkstatt bzw. Garage eben. Die Verantwortlichen hoffen, dass mit der Startup Garage mehr junge Unternehmen in Kontakt mit dem Hersteller treten und dieser schneller mit ihnen interagieren kann.

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Startup Garage investiert nicht nur in Unternehmen aus der Automobilbranche, sondern auch in solche mit Technologien, die auf fahrzeugtechnische Anwendungen übertragbar sind. Die Auswahl trifft die BMW Startup Garage in enger Zusammenarbeit mit dem Innovationsmanagement und den Fachabteilungen der BMW Group.
Startup Garage fördert ausgewählte Startups im Rahmen eines mehrmonatigen Programms. In dessen Mittelpunkt steht die Entwicklung eines funktionalen Prototypen mit einer für die BMW Group relevanten Anwendung. Zudem erhalten die jungen Unternehmen Hilfe beim Aufbau ihres Netzwerks im Konzern sowie beim Erstellen ihres Business-Plans. Angaben über konkrete Förderhöhen gibt es nicht.
Interessierte Startup-Unternehmen können sich online bei der BMW Startup Garage bewerben.

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Audi: Neue Ideen aus der Denkfabrik

Seit September 2016 verfügt auch die Audi AG über eine institutionalisierte Schnittstelle zu Startups. Der Hersteller aus Ingolstadt nennt die Einheit, die aus 17 Mitarbeitern verschiedener Geschäftsbereiche des Konzerns besteht, Denkfabrik. Er hat sie rund 500 Kilometer weit von der Konzernzentrale entfernt in Berlin angesiedelt. Und zwar im Betahouse, einem rund 4.000 Quadratmeter großen Co-Working-Space, der ein Mittelpunkt der Berliner Startup-Community darstellt. Das Team der Audi-Denkfabrik soll Wünsche urbaner Kunden identifizieren, neue Geschäftsmodelle identifizieren, den Konzern mit Startups vernetzen und gemeinsam Ideen für die Mobilität der Zukunft entwickeln.

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Die Audi Denkfabrik beschäftigt sich in kleinen Teams mit den Zukunftsfeldern Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Urbanisierung. Sie möchte neue Produkte und Services entwickeln, die über das Auto hinausgehen. Außerdem erhofft sie sich von Kooperationen mit Startups neue Ideen und Impulse für die Mobilität von morgen. Denn sie sieht die Branche vor einem epochalen Umbruch.
Die Audi Denkfabrik fördert Startups vor allem durch Kooperationen und Zugänge zu betrieblichen Infrastruktur wie Prüfzentren und Windkanal. Klassische Investitionen fließen keine, allerdings werden die Startups während der sechsmonatigen Partnerschaft für ihre Arbeiten entlohnt.
Für interessierte Startups bietet die Audi Denkfabrik keine direkte Bewerbungsmöglichkeit.

Jenseit neuer Mobilitätskonzepte und digitaler automobiler Geschäftsmodelle engagiert sich die Audi AG auch im Gesundheitsbereich. So ist sie vor einem Jahr Gründungspartner des Berliner „Flying Health Incubator“ geworden. Dieses Gründerzentrum unterstützt Startups, die digitale Innovationen im Gesundheitsbereich entwickeln. Mit der Beteiligung will Audi den Aufbau des neuen Geschäftsfelds „Automotive Health“ beschleunigen, mit dem Gesundheit und Fitness während der Fahrt positiv beeinflusst werden sollen. Mit „Audi Fit Driver“ erprobt der Hersteller bereits Services und Funktionalitäten in diesem Bereich.

Foto: viadoo / Faust

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Dr. Dominik Faust Dominik verfügt über langjährige Expertise und etliche Zertifikate in Leadership, Change Management und digitale Kommunikation. Im Top-Management hat er selbst Unternehmen restrukturiert sowie zahllose Prozesse und Strukturen optimiert. Er promovierte über notwendige Veränderungen internationaler Organisationen zur Steigerung ihrer Effektivität und Effizienz. Dominik ist Dozent für Change Management und Change Communications an mehreren Hochschulen. Auf diesen Gebieten berät er seit Jahren Manager auf C-Level.

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