Messe-PR kann Firmen aus Krisen führen

13. Juli 2006 Dr. Dominik Faust

Messe-PR kann Firmen aus Krisen führen

Messe-PR und das in ihr schlummernde Potenzial werden gerade von kleinen und mittleren Unternehmen noch zu wenig genutzt. Dabei kann zielgruppenspezifische Kommunikation auch auf Messen den wirtschaftlichen Erfolg von Firmen fördern. Journalistinnen und Journalisten nutzen Messen gerne als Plattformen für ihre Recherchen. Präsentieren sich darauf bekannte Unternehmen, die in Krisen geraten sind, schnellt das Medieninteresse zusätzlich in die Höhe. Auch wir von der Agentur DFKOM werden rund um Ausstellungen im In- und Ausland von Medienvertretern kontaktiert. So fragte uns kürzlich eine Redakteurin der Nachrichtenagentur Reuters nach unserer Einschätzung zu den aktuellen Probleme bei Airbus und Boeing. Immerhin werden die beiden Giganten auf der bevorstehenden Air Show im britischen Farnborough (17.-23. Juli) wieder aufeinander treffen. Natürlich antworten wir in solchen Fällen nur allgemein und geben keine Insights unserer Kunden weiter.

Zur Erinnerung: Airbus machte Schlagzeilen durch Verzögerungen bei der Auslieferung der A380, durch die Unzufriedenheit der Kunden mit der geplanten A350, durch einen Rückgang bei den Orderzahlen (1. HJ 05: 276, 1. HJ 06: 117). Die Airbus-Mutter EADS wurde in den Strudel hineingezogen. Ihr Aktienkurs brach am 14. Juni um 26 Prozent ein. Co-CEO Noel Forgeard musste gehen und Airbus erhielt mit Christian Streiff einen neuen Chef als Nachfolger des Deutschen Gustav Humbert. Auch beim US-Mitbewerber Boeing läuft nicht alles rund. So gibt es Fertigungsprobleme bei der neuen B787. Außerdem plagt den US-Hersteller eine geringe Nachfrage nach dem modifizierten Jumbo B747-8.

Messe-PR fängt lange vor einer Ausstellung an

Für ein in die Krise geratenes Unternehmen kann eine Messe aus kommunikativer Sicht durchaus eine Chance sein. Das gilt nicht nur für die Zeit der Ausstellung, sondern auch für die Tage und Wochen davor. Denn in der Fachwelt ist die Aufmerksamkeit der Zielgruppen vor und während einer Messe besonders hoch. Messe-PR beschränkt sich daher nicht nur auf Kommunikation während einer Messe. Airbus und EADS haben das längst erkannt. Sie nutzen die Zeit bis zur Farnborough Air Show, um Pressemitteilungen auszusenden, zu Pressekonferenzen einzuladen und Hintergrundgespräche zu führen. Erst Anfang dieser Woche stellte sich Co-CEO Dr. Thomas Enders in Stuttgart den Fragen von Journalisten. Tenor seiner Aussagen: Ja, es wurden Fehler gemacht. Doch die neue Führungsmannschaft wird alles daran setzen, um bald wieder aus den Turbulenzen heraus zu steuern.

Für Tom Enders ist Airbus jetzt Chefsache. Das kann man auch an den neuen Führungsstrukturen und Berichtswegen bei der EADS erkennen. So berichtet der Airbus-Chef fortan direkt an Enders (früher an seinen Co-CEO Forgeard). Auch um den für die EADS strategisch wichtigen AeroDef-Markt in den USA kann er sich nun noch intensiver kümmern: Der CEO von EADS North Amerika, Ralph D. Crosby, Jr., ist Enders nun unmittelbar zugeordnet. Airbus und EADS sollten sich wieder ihrem Kerngeschäft widmen und an ihre Erfolge anknüpfen können. Dazu wird das Management seine Stakeholder (Aktionäre, Kunden, Medien, Mitarbeiter etc.) kontinuierlich davon überzeugen müssen, dass es alles tut, um die aktuelle Krise rasch zu überwinden. Mit intensiver, offener und glaubwürdiger Kommunikation u.a. im Umfeld der Luftfahrtmesse in Farnborough wird das gelingen.

Personalwechsel an der Spitze stoßen stets auf großes Interesse

Die EADS hat Erfahrung mit Messe-PR. Im letzten Jahr etwa machte der Konzern wenige Wochen vor der Paris Air Show seine neuen Strukturen bekannt. Damals wurden Dr. Thomas Enders (46) und Noël Forgeard (58) mit sofortiger Wirkung für fünf Jahre als neue CEOs berufen. Bereits im Dezember 2004 hatten die beiden EADS-Großaktionäre, die Daimler-Chrysler AG (30,2%) und die französische SOGEADE Holding (Lagardère: 15,1%, franz. Staat: 15,1%) beide Manager nominiert. Die bisherigen CEOs Rainer Hertrich und Philippe Camus standen nach Ablauf ihrer fünfjährigen Amtszeit nicht mehr zur Verfügung. Schon damals war der Medienandrang auf die Airbus-Pressekonferenz enorm. Wir von DFKOM hatten damals für einen Kunden eine internationale Pressekonferenz auf der Paris Air Show organisiert und realisiert.

Neben dem Wechsel bei den CEOs gab es in der EADS-Führung weitere Veränderungen. So hatte das Board of Directors mit Dr. Manfred Bischoff (Daimler-Chrysler) und Arnaud Lagardère (Lagadère) Dr. Gustav Humbert (55) zum Präsidenten und CEO von Airbus ernannt. Humbert war der erste Deutsche auf diesem Posten, der damit auch den EADS-Geschäftsbereich Airbus leitet. Sein Vorgänger Forgeard wurde zum Vorsitzenden des Airbus-Gesellschafterausschusses berufen. Dr. Stefan Zoller (47) wurde zum Leiter des Geschäftsbereichs „Defence and Security Systems“ berufen. Zoller führte zuvor innerhalb dieses Geschäftsbereichs die Geschäftseinheit „Defence and Communications Systems“. Das Board of Directors wandelte ferner den Geschäftsbereich „Aeronautics“ in „Eurocopter“ um, der seither von Fabrice Brégier (44), dem CEO von Eurocopter, geführt wird.

Das Titelbild entstand übrigens auf der ILA 2006 und zeigt den CFO der EADS, Hans-Peter Ring, bei der Vorbereitung eines Auftritts im Fernsehsender Bloomberg TV.

Foto: Faust / DFKOM GmbH

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Dr. Dominik Faust

Dominik verfügt über langjährige Expertise und etliche Zertifikate in Leadership, Change Management und digitale Kommunikation. Als Führungskraft (+70 MA) hat er selbst Unternehmen restrukturiert sowie zahllose Prozesse und Strukturen optimiert. Er promovierte über notwendige Veränderungen internationaler Organisationen zur Steigerung ihrer Effektivität und Effizienz. Dominik ist Gastdozent für Change Management und Change Communications an mehreren Hochschulen. Auf diesen Gebieten berät er mit seinem Team seit Jahren erfolgreich Manager auf C-Level.