Mobilität der Zukunft befindet sich im Wandel

19. Mai 2018
Posted in Disruption
19. Mai 2018 Dr. Dominik Faust

Mobilität der Zukunft befindet sich im Wandel

Vor Kurzem haben wir bei einem Unternehmen der Luftfahrtbranche einen Pivoting-Workshop durchgeführt. Dabei haben wir insbesondere einen Blick an den äußersten Rand des Radars dieses Ingenieur-getriebenen Spin-Offs eines großen Players geworfen. Unser Ziel war es, das Top-Management für die Mobilität der Zukunft zu sensibilisieren. Für den Wandel, der gerade in der Luftfahrttechnik sowie im Automobilbau vor sich geht: Flugzeuge lernen Fahren und Fahrzeuge lernen Fliegen.

Längst sind die einst starren Grenzen zwischen der Automobil- und der Luftfahrtindustrie durchlässig geworden. Zumindest in den großen und international tätigen Unternehmen. Doch nicht nur zwischen diesen beiden Branchen gibt es immer mehr Verbindungen, sondern auch zwischen ihnen und Anbietern, die zunächst gar nicht mit Mobilität zu tun hatten. So zum Beispiel Google, das mit seiner Schwesterfirma Waymo autonome Fahrzeuge entwickelt. Sie alle sind Teil einer neuen, einer integrierten Branche, der Mobilitätsindustrie. Dazu gehört eine weitere der ursprünglich „branchenfremden“ Organisationen, nämlich Uber. Die Firma ist bekannt als größtes Taxiunternehmen der Welt ohne eigene Fahrzeuge – und in Zukunft wohl auch ohne eigene Fahrer.

Individuelle Mobilität der Zukunft am Boden und in der Luft

Über Trends in der Automobilindustrie haben wir in diesem Blog bereits geschrieben. Dazu gehören ganz sicher Connected Services mit Onboard Embeded Systems und Offboard IT-Systems. Dazu gehören außerdem das autonome Fahren, die Elektromobilität und die – häufig vernachlässigte – Cyber Sicherheit. Uber hat noch einen Aspekt hinzugefügt, der bei herkömmlichen Automobilentwicklern kaum eine Rolle spielt, nämlich das Fahren in der bzw. Ausweichen in die dritte Dimension. Sie kamen darauf, weil sie sich die Zeiten angesehen haben, die Menschen in Ballungszentren jährlich im Stau stehen. In Sidney sind es sieben Wochen!

https://www.youtube.com/watch?v=ROJ76foyihs
Der Volocopter ist kein VTOL, aber ein elektrisch angetriebener Helikopter.

Als Lösung schlug Uber in einer Studie vor, Senkrechtstarter (VTOL) zu entwickeln. Einige Firmen haben sich bereits ans Werk gemacht, solche Flugtaxis zu entwickeln. Insgesamt sind derzeit rund 45 Unternehmen am Werk. Zu den bekannten Projekten gehören:

  • der eHang 184 aus China,
  • der Volocopter (an dem der deutsche Autobauer Daimler mit 30 Mio. USD beteiligt ist, was einem Anteil von elf Prozent entspricht)
  • der Kitty Hawk (an dem Google-Gründer Larry Page beteiligt ist)
  • Lilium mit Sitz in Wessling bei München (Tencent ist hieran mit: 90 Mio. USD beteiligt)
  • TF-X von Terrafugia (an dem der chinesische Autobauer Geely mit 89 Mio. USD beteiligt ist)
  • Aurora (Boeing: 100%)
  • Jobi (Toyota + Intel: 100 Mio. USD)
  • Vahana (Airbus A3)
  • pop.up Next (Audi + Airbus)
  • Uber Elevate (Embraer + Textron)

Hinzu kommen etwa noch einmal 35 Startups bzw. unabhängige Entwicklungsfirmen.

Firmen der Sparte Mobilität überleben mit Plattformen und Apps

Wer sich als Mobilität-Unternehmen (egal ob bisher auf der Straße, in der Luft, auf der Schiene oder auf dem Wasser) in Zukunft behaupten will, muss nicht nur die technische Entwicklung und die Vernetzung der Verkehrsträger im Auge haben, sondern sein eigenes Geschäftsmodell sowie sein Portfolio überprüfen. Dabei kommt das jeweilige Top-Management nicht um das Thema Plattformökonomie herum. Plattformen bzw. Intermediäre im Onlinehandel rauben etablierten Firmen erst die Möglichkeiten zur direkten Kundenbindung und produzieren dann selbst. Darauf kann man reagieren wie der einstige Stahlriese Kloeckner. Dieser hat seine gesamte Lieferkette digitalisiert. So kann man bei Kloeckner jetzt Stahl im Onlineshop bestellen.

https://www.youtube.com/watch?v=Z_ZK6FD3cR0
Kloechner hat sich neu erfunden mit Onlineshop, Kontraktplattform, Bestellübersicht.

Oder man reagiert darauf wie Daimler und besetzt den Zugang zum Kunden mit intelligenten digitalen Produkten wie Apps (z.B. „Ask Mercedes“, über die wir bereits berichtet haben) und Beteiligungen an Mobilitätsdienstleistern, damit sich kein Mitbewerber – wie zum Beispiel Tesla – zwischen den Hersteller und seine Kunden schieben kann. Wir haben die Digitalstrategie von Daimler bereits 2014 näher beleuchtet. Seitdem hat sich der Konzern sehr konsequent an Firmen beteiligt, die Mobilitätsdienste vermitteln. Dazu gehören: 

  • der bekannte Anbieter Flixbus
  • der Chauffeurservice Blacklane
  • der französische Fahrdienstvermittler Chauffeur Privé
  • die privaten Carsharing-Plattformen Turo und Croove
  • der Anbieter für adressgenaue Tür-zu-Tür-Mitfahrgelegenheiten auf Kurz- und Mittelstrecken Flinc,
  • der Carsharing-Dienst Car-2-Go (zuletzt Übernahme der restlichen 25 Prozent von Europcar und Fusion mit Drive-Now),
  • die App Mytaxi (zuletzt Fusion mit Hailo sowie Übernahme von Taxibeat und Clever Taxi).

Übernahmen im Kampf gegen Disruption

Dass Firmen ihre Geschäftsmodelle überprüfen hat auch mit Umfrageergebnissen der Firma Ernst & Young zu tun. Demnach sind 38 Prozent der Unternehmen in der EU überzeugt, dass disruptive Kräfte eine der größten Risiken für ihr weiteres Wachstum darstellen. Für 54 Prozent stehen die Künstliche Intelligenz (AI, KI) sowie die Automatisierung ganz oben auf ihrer Agenda. Um die entsprechenden Kompetenzen innerhalb kurzer Zeit aufbauen zu können, planen 58 Prozent der Firmen Zukäufe innerhalb der kommenden zwölf Monate.

Das bedeutet, dass wir im Bereich der Mobilität in Zukunft eine Reihe von Übernahmen bzw. M&A erleben werden. Sie bedeuten immer auch einen Change und erfordern professionelles Change Management für die notwendige Integration von Teams.

Titelfoto: Italdesign

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Dr. Dominik Faust

Dominik verfügt über langjährige Expertise und etliche Zertifikate in Leadership, Change Management und digitale Kommunikation. Im Top-Management hat er selbst Unternehmen restrukturiert sowie zahllose Prozesse und Strukturen optimiert. Er promovierte über notwendige Veränderungen internationaler Organisationen zur Steigerung ihrer Effektivität und Effizienz. Dominik ist Gastdozent für Change Management und Change Communications an mehreren Hochschulen. Auf diesen Gebieten berät er seit Jahren Manager auf C-Level.