05/03/2022 Dr. Dominik Faust

Ukrainekrieg: Farbe bekennen, Emotionen zulassen

Was Firmen in emotionalen Extremlagen tun können & wie wir Flagge zeigen

Wir unterhalten keine Geschäftsbeziehungen nach Russland, die wir nun als Reaktion auf den Angriffskrieg gegen die Ukraine abbrechen könnten. Aber wir vom Team der Changeberatung viadoo haben Empathie. Wir sind solidarisch mit den Menschen in der Ukraine. Folglich sind wir fassungslos darüber, dass es dem Regime im Kreml erneut gelingen konnte, das Leben von Millionen Menschen auf heimtückische Weise zu verändern. Wir sind erzürnt darüber, dass wir als Teil der freien Welt tatenlos mit ansehen müssen, wie der Despot und seine Schergen erneut abertausende Frauen, Kinder und alte Menschen rücksichtslos vertreiben. Wir sind entsetzt und traurig darüber, dass diese Verbrecher tausende Menschen grausam töten – sowohl auf ukrainischer als auch auf russischer Seite. Und wir sind besorgt, dass der Krieg lange dauern und sich sogar ausweiten könnte.

Ukrainekrieg bringt Wechselbäder der Gefühle

So wie uns geht es vielen Menschen auch am Arbeitsplatz. Da stellt sich die Frage, wie Firmen ihren Beschäftigten Raum für solche Emotionen geben können. Es sollte im Top-Management klar sein, dass Menschen in solchen Situationen durch Wechselbäder der Gefühle gehen, die sich auch auf ihre Leistungsfähigkeit auswirken. Das haben wir bereits zu Beginn der Coronakrise in einem Beitrag über die Change-Kurve ausführlich dargelegt. Das Wichtigste sind in solch extremen Lagen Möglichkeiten zur Identifikation und zum Austausch untereinander. Verschiedene Formate sind denkbar:

Eine gemeinsame Position und Aktion

    1. Zunächst sollten Vorstand bzw. Geschäftsführung gemeinsam mit Vertretern der Belegschaft eine Position zum Ukrainekrieg entwickeln und diese ausformulieren. Sie sollte dann zuerst nach innen kommuniziert werden (Intranet, Betriebsversammlung etc.) und anschließend nach außen. Beispiele dafür liefern Firmen von Apple bis Volkswagen, die zum Beispiel alle ihre Geschäfte mit dem Aggressor zurück gefahren haben.
    2. Die gemeinsame Position sowie sichtbare Zeichen und Symbole helfen der Belegschaft, sich zu identifizieren und zu solidarisieren. Es gibt viele Möglichkeiten, um buchstäblich Flagge zu zeigen und Farbe zu bekennen. Die sozialen Medien sind voll davon.
    3. In solchen Lagen ist das Bedürfnis der Menschen hoch, etwas tun zu können. Deshalb ist die Spendenbereitschaft in diesen Situationen sehr hoch. Daher wäre es sinnvoll, Hilfsgüter oder/und Geldspenden für anerkannte Hilfsorganisationen (Verifizierung z.B. durch die DZI-Siegelliste) unternehmensweit einzusammeln. Eine solche Maßnahme sollte möglichst schnell zentral z.B. durch die Unternehmenskommunikation initiiert werden, um den unternehmensweiten Zusammenhalt zu fördern und konkurrierende Aktionen aus einzelnen Abteilungen zu vermeiden.

Emotionen Ausdruck verleihen

    1. Raum für Emotionen kann gerade in der aktuellen Coronakrise zum Beispiel ein digitales Whiteboard (z.B. in Miro oder Mural) bieten. Dort könnten Beschäftigte ihre Gefühle und Gedanken zum Geschehen auf Post-its festhalten. Dabei darf natürlich kein Platz für Beleidigungen gegen Russen im Allgemeinen und russisch-stämmige Kolleginnen oder Kollegen im Besonderen sein. Das Einhalten der Social-Media-Guidelines muss die Firma also auch dort sicherstellen.
    2. Alternativ oder zusätzlich können Verantwortliche ein Blankobuch (z.B. in einer ruhigen Ecke im Eingangsbereich) auflegen, in das Beschäftigte 2-3 Wochen lang Gedanken und Wünsche an die Menschen in der Ukraine eintragen können. Eine Delegation kann das Buch dann an die örtliche ukrainische Gemeinde übergeben oder an das Konsulat bzw. an die Botschaft übersenden.
    3. Ferner kann das Unternehmen Beschäftigten das Angebot machen, gemeinsame Veranstaltungen mit örtlichen Kirchen oder Notfallseelsorgern durchzuführen.
    4. Psychologen raten außerdem, sich nicht rund um die Uhr mit dem Thema zu befassen. Deshalb dürften auch im betrieblichen Umfeld angemessene Formen der Ablenkung empfehlenswert sein.

Bei allem Raum für Emotionen muss das Management auf allen Ebenen sicherstellen, dass die Emotionen nicht zur Ausgrenzung einzelner Beschäftigter oder ganzer Gruppen im Unternehmen führen.

Unsere Position im Ukrainekrieg

Wir als Unternehmen können und wollen uns nur in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft entfalten und darin auch Verantwortung übernehmen. Genau in diesem Sinne der Corporate Social Responsibility (CSR) zeigen wir Flagge für die Menschen in der Ukraine. Wir bekennen im Ukrainekrieg buchstäblich Farbe. So betten wir auf unseren Social-Media-Profilen das Logo der Changeberatung viadoo GmbH bis auf Weiteres in die blau-gelben Nationalfarben der Ukraine. Diese Farben sind zum Symbol für den Kampf dieses tapferen Volkes gegen Diktatur, Unterdrückung, Zerstörung und Vertreibung geworden. Genau damit erklären wir uns auf diese Weise solidarisch.

Blau-gelb als Symbol der Freiheit

Die Nationalfarben der Ukraine gehen übrigens auf das Wappen des mittelalterlichen Fürstentums Galizien-Wolhynien im Westen der heutigen Ukraine zurück. Es zeigte den goldenen „Ruthenischen Löwen“ auf blauem Grund. Galizien-Wolhynien entsprang (neben anderen) dem ostslawischen Großreich Kiewer Rus. Dies wiederum gilt als Wiege Russlands, der Ukraine und Belarus (woraus Wladimir Putin seine Besitzansprüche historisch herleitet). Im 18. Jahrhundert übernahmen auch die Kosaken bzw. Tataren im Osten der heutigen Ukraine (im Hetmanat) die blau-gelben Farben. Schon immer sind sie das Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit. Spätestens seit dem 24. Februar 2022, als der Ukrainekrieg mit dem Überfall Russlands begann, sind diese Farben zudem das Symbol für alle Vorkämpfer westlicher Werte. Damit identifizieren wir uns (vgl. unseren Code of Conduct).

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Dr. Dominik Faust

Der Autor verbindet operative Change-Leadership-Erfahrung mit hoher Methodenkompetenz sowie zertifizierte Veränderungs-Kompetenz mit multimedialer Storytelling-Expertise. Er verfügt über langjährige Expertise und etliche Zertifikate in Change Leadership, Change Management, digitaler Kommunikation und Facilitation. Als Führungskraft (+70 MA) und Top-Management-Berater hat er bereits zahlreiche Wandelvorhaben erfolgreich initiiert und konzipiert. Dominik promovierte über notwendige Veränderungen internationaler Organisationen zur Steigerung ihrer Effektivität und Effizienz. Auf Basis seiner breiten theoretischen und praktischen Change-Expertise berät er im viadoo-Team erfolgreich Führungskräfte auf C-Level.