Der Bewegtbild-Trend in der Realität - Viel Luft nach oben Der Bewegtbild-Trend in der Realität - Viel Luft nach oben
28. Oktober 2016 Dr. Dominik Faust

Der Bewegtbild-Trend in der Realität

Bewegtbild in Form von Live-Streaming und Videoisierung sozialer Medien ist ein Megatrend in Medien und Kommunikation. Die 30. Medientage München haben das wieder gezeigt. Aus unserer Beratungserfahrung stellen wir allerdings fest, dass viele Unternehmen nicht ausreichend auf diese Trends vorbereitet sind. Selbst große Firmen verfügen nicht über genügend technische Ressourcen und haben ihre Mitarbeiter nicht entsprechend qualifiziert. Auch interne Prozesse und Organisationsstrukturen sind nicht an diese Entwicklung angepasst. Da kann es passieren, dass ein Mittelständler zwar für viel Geld ein kleines Videostudio mit zwei Schnittplätzen und zwei Vollzeitkräften einrichtet, dass es aber Wochen dauert, bis Videoclips über eigentlich aktuelle Themen online stehen.

Digitalisierung nicht Teil der Firmen-DNA

Ein Grund dafür mag sein, dass viele Unternehmen die Digitalisierung im Allgemeinen und die digitale integrierte Kommunikation 4.0 im Besonderen noch nicht in ihrer DNA verankert haben. Das gilt auch für Medien. So verfügen zwei Drittel (67 %) der deutschen Medienhäuser über keinen Chief Digital Officer (CDO) oder eine vergleichbare Stabsstelle. Zu diesem Ergebnis kam Prof. Dr. Thomas Hess, Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), in einer Studie für KPMG. Allerdings ist es durchaus umstritten, ob es eines CDO bedarf, um als Unternehmen digital kompetent zu sein. Patrick Fischer, Geschäftsführer Sport1 Media, und Dr. Mathias Wahrenberger, Geschäftsführer Burda Digital, sahen das auf den Medientagen durchaus anders. Auch wenn ihres Erachtens Hubert Burda der erste CDO eines deutschen Medienunternehmens war.

Ideen-Bäume welken vor sich hin

Doch egal, ob es einen CDO gibt oder nicht: Entscheidend ist, dass es in Unternehmen Menschen gibt, die Ideen für digitale Strategien entwickeln, die entsprechende Projekte steuern, sich um die finanziellen und personellen Ressourcen kümmern, Prozesse und Strukturen optimieren, Change-Prozesse aufsetzen. Im Alltagsstress ist das inhouse kaum zu leisten. Da helfen auch keine gut gemeinten Hilfsmittel, die Innovationen im Alltag fördern sollen. So bestätigte etwa Stephan Zech, Geschäftsführer Funke Digital TV Guide auf den Medientagen, dass „Inspiring Lunches“ oder „Ideen-Bäume“ von den Mitarbeitern kaum genutzt würden. Hier können externe Berater helfen, indem sie Impulse von außen setzen. Diese Erfahrung dürfen wir immer wieder machen.

Live-Streaming und Videoisierung

Mit Unterstützung externer Impulsgeber können Firmen außerdem überprüfen, welche digitalen Trends für sie künftig relevant werden. Aktuell steht auf der Innovation Map vor allem das Thema Bewegtbild – konkret das Live-Streaming und die Videoisierung der sozialen Medien. Zum Beispiel werden heute täglich 963.000 Stunden live auf Periscope gestreamt. Snapchat verzeichnet zehn Milliarden Video-Views am Tag, Facebook acht Milliarden. Der Dienst musical.ly hat in nur 21 Monaten über 100 Millionen Nutzer gewinnen können.

Hinsichtlich der Videoisierung der sozialen Medien kann man auch von Medien lernen. So nutzt zum Beispiel RTL YouTube für digitale Vermarktungen. Das Online-Angebot RTLnext gewinnt nach Angaben von Marc Schröder, Geschäftsführer von RTL Interactive, 3,2 Millionen Unique Visitors primär über soziale Medien und nicht mehr über Google. Bei ProSiebenSat.1 versucht man, Zuschauer über Aktivitäten auf den soziale Medien für das lineare TV-Angebot zu gewinnen. So begleiten nach Angaben von Dr. Sebastian Weil, CEO von Studio71, zum Beispiel YouTube-Stars Fernsehshows der Sendergruppe, und machen über ihre sozialen Kanäle Nutzer neugierig.

Bewegtbild und Virtual Reality

Ebenfalls auf der Innovation Map steht das Thema Virtual Reality (VR). Experten rechnen mit 50 Millionen VR-Nutzern bis zum Jahr 2020 – insbesondere im Bereich Gaming – und mit einem 4,1 Milliarden Dollar großen Markt für VR-Live-Events. In den Medien ist man diesbezüglich allerdings zurückhaltender. So sehen zum Beispiel Julia Laukemann, Senior Vice President Product Development bei Sky Deutschland und Jan Wachtel, COO & Managing Director Digital bei der Bild, in VR derzeit keinen Massenmarkt. Für inszenierte Events von Unternehmen sowie für andere Marketing-Kampagnen besitzt VR allerdings hohes Potenzial.

Roboterjournalismus

Es gibt also noch viel zu tun, um das Thema Bewegtbild in die digitale Kommunikation 4.0 von Unternehmen so zu integrieren, dass sie Teil ihrer DNA werden. Das ist ein wichtiges Ergebnis der 30. Medientage München. Ein anderes ist der Vormarsch des Roboterjournalismus. Computer können auf Basis von Algorithmen bereits heute selektieren, aggregieren und präsentieren. Große Medienhäuser nutzen die Künstliche Intelligenz, um Berichte zu Quartalszahlen von Unternehmen oder Sportereignissen durch Roboter schreiben zu lassen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte in ihrer Festrede, dass Künstliche Intelligenz „eines der großen Themenfelder der Zukunft“ sein werde. Wie sie sich auf die Kommunikation von Unternehmen mit ihren Stakeholdern auswirken wird, bleibt abzuwarten.

About the Author

Dr. Dominik Faust Dominik verfügt über langjährige Expertise und etliche Zertifikate in Leadership, Change Management und digitale Kommunikation. Im Top-Management hat er selbst Unternehmen restrukturiert sowie zahllose Prozesse und Strukturen optimiert. Er promovierte über notwendige Veränderungen internationaler Organisationen zur Steigerung ihrer Effektivität und Effizienz. Dominik ist Dozent für Change Management und digitale Kommunikation an mehreren Hochschulen. Auf diesen Gebieten berät er seit Jahren Manager auf C-Level.

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