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1. Juni 2012 Dr. Dominik Faust

E-Books sind nicht mehr aufzuhalten

Das gedruckte Buch wird nicht aussterben, aber die E-Literatur wächst. Dies kann kaum verwundern, denn bereits jetzt besitzen einer Befragung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zufolge fast fünf Millionen Deutsche einen E-Reader oder ein für E-Books geeignetes Tablet. Dabei sind es nicht nur junge Menschen, die solche Geräte nutzen, sondern auch ältere, die es sehr schätzen, zum Beispiel die Schriftgröße ihrem individuellen Sehvermögen anpassen zu können (bereits vor Jahren saß eine ältere Dame mit E-Reader neben mir im Flugzeug). Dieser Trend zu mehr digitalen Inhalten wird anhalten, denn die Menschen gewöhnen sich daran, immer und überall auf Informationen, Wissen und eben auch auf Literatur zugreifen zu können. Das kommt in einer weiteren Zahl zum Ausdruck: Rund 21 Millionen Deutsche nutzen bereits Smartphones, so die GfK in einer anderen Studie. Betrachtet man diese Fakten, ist es nur konsequent, dass im Jahre 2011 der Umsatz mit E-Books um 77 Prozent stieg.

Doch E-Books sind nur ein Medium von mehreren elektronischen Medien, die in Büchereien nachgefragt werden. Bibliotheken müssen sich darauf einstellen, dass in Zukunft auch immer mehr Musik-CDs, Hörbücher, Spiele und Videos nachgefragt werden. Und sie müssen sich mit der Tatsache befassen, dass diese Medien immer häufiger im Netz zum Herunterladen bereitgestellt werden. Nur eine Zahl noch dazu: Im vergangenen Jahr wurden hierzulande 408 Millionen Euro mit dem Herunterladen von Musik, Hörbüchern, Software, Spielen, Videos oder E-Books umgesetzt. Nach Angaben der GfK sind das 34 Prozent mehr als noch im Vorjahr.

Das sind Entwicklungen, vor denen Büchereien keine Angst zu haben brauchen, auch wenn es Menschen gibt, die in steilen Thesen meinen, in Zukunft würden (fast) alle Buchläden sterben und alle Bereiche des Buchmarktes würden digital. Bibliotheken haben eine Jahrtausende alte Tradition und werden auch in Zukunft Orte des Wissenstransfers und der Bildung sein. Davon bin ich überzeugt. Dennoch dürfen sie nicht die Augen vor den genannten Trends verschließen. Sie müssen ihn vielmehr annehmen und vorausschauend in ihren Konzeptionen berücksichtigen. Ein Weg dahin wäre zum Beispiel das Geschäftsmodelle der „Onleihe“, mit der sich Bibliothekskunden zu besonders attraktiven Konditionen Medien für eine begrenzte Zeit auf ihre elektronischen Lesegeräte herunterladen können. Davon haben sowohl die Nutzer als auch die Bibliotheken Vorteile.

In diesem Sinne gilt es, die Herausforderungen anzunehmen, die die E-Books für uns Medienschaffende bereithalten.

Foto: DFKOM/Faust

Update 18.07.2012:

Heute wurden in den USA die jährlichen BookStats veröffentlicht („Book Industry Study Group“ und „Association of American Publishers“). Demnach hat sich der Umsatz mit E-Books im Jahre 2011 mehr als verdoppelt von USD 869 Mio. auf USD 2,07 Mrd. Damit erreichten E-Books einen Anteil von 15,5 Prozent am Gesamtumsatz der US-Verlage.

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About the Author

Dr. Dominik Faust Dominik verfügt über langjährige Expertise und etliche Zertifikate in Leadership, Change Management und digitale Kommunikation. Im Top-Management hat er selbst Unternehmen restrukturiert sowie zahllose Prozesse und Strukturen optimiert. Er promovierte über notwendige Veränderungen internationaler Organisationen zur Steigerung ihrer Effektivität und Effizienz. Dominik ist Dozent für Change Management und digitale Kommunikation an mehreren Hochschulen. Auf diesen Gebieten berät er seit Jahren Manager auf C-Level.

Comments (3)

  1. Sehr interessante Gedanken!

    Ich frage mich ja persönlich auch schon seit längerer Zeit, weshalb Bibliotheken online noch immer so wenig präsent sind. Es ist doch so, dass quasi alle in Bibliotheken vorhandenen Medien mittlerweile problemlos verfügbar gemacht werden können; und vor allem auch abgerufen werden können: Einen Spielfilm auf einem Server bereit zu stellen, ist schon lange kein Problem mehr. Und mittlerweile haben auch die allermeisten Nutzer die nötige Bandbreite zum Abruf.
    Was den Bereich Spielfilme angeht, so nimmt Apple per iTunes imho noch eine gewisse Vorreiterrolle ein. Zumindest für regelmäßige iTunes-Nutzer dürfte das die einfachste Möglichkeit sein, sich schnell mal einen Film auszuleihen. Nur besteht für Apple als mutmaßlichen Marktführer bis dato noch nicht die Notwendigkeit, sowohl Preise, als auch Angebot für einen breiteren Markt attraktiver zu gestalten.

    Aber auch bei Büchern kann ich die noch relativ langsame Entwicklung nicht wirklich verstehen. Google macht uns ja vor, dass die Digitalisierung von Büchern im großen Stil eigentlich kein wirkliches Problem ist; und Bücher der letzten 15+ Jahre liegen ja sowieso digital vor.
    Gerade im wissenschaftlichen Bereich kann ich diese Fokussierung auf Holzmedien nicht verstehen. Abgesehen von einigen Zeitschriften-Datenbanken und verlagseigenen Diensten wie SpringerLink (welchen ich absolut großartig finde!), wird Wissenschaft, nach wie vor, sehr oft nur auf Papier gemacht. Ein absolut widersinniger Zustand. Würde eine nahezu komplett digitalisierte Universitätsbibliothek nicht zu einer extremen Erleichterung wissenschaftlicher Arbeit beitragen?

    Ein provokanter Satz zum Abschluss: Die Bibliothek, die bis zum Ende des Jahrzehnts keinen umfassenden Digitalisierungsprozess (zumindest) begonnen hat, wird bald nur noch ein Archiv sein.

    • Dominik Faust

      Kilian, was wir in der ganzen Debatte nicht vergessn dürfen, ist das Urheberrecht. Wer Bücher schreibt und verlegt, will auch Geld verdienen. Dieses Ziel steht der ungehinderten Verbreitung von Content entgegen – und das ist auch gut so 🙂

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