Change der Woche: Disruption der Paketzusteller

15. Januar 2019 Dr. Dominik Faust

Change der Woche: Disruption der Paketzusteller

Im Oktober 2017 hatten wir über eine Innovation berichtet, mit der in Deutschland Postzustellern die Arbeit erleichtert wird. Damals ging es um einen Post-Roboter (Postbot). Jetzt hat die Firma Continental ein neues System auf der CES 2019 in Las Vegas vorgestellt. Damit dürfte der Beruf Paketzusteller wie wir ihn kennen mittel- bis langfristig überflüssig werden. Wer also Kindern einen Rat geben will, was sie einmal werden könnten, sollte diesen Beruf aus seinem Repertoire streichen – wie bereits etliche andere auch.

Das Konzept des Automobilzulieferers Continental besteht aus einer Kombination von autonomen Shuttles und Lieferrobotern. Die elektrisch angetriebenen Fahrzeuge rollen in den Innenstädten und halten an relevanten Straßenzügen. Dort laden sie die vierbeinigen Paketzusteller-Roboter aus, die die Pakete geschultert haben und zustellen. Empfänger müssen die ihnen gelieferte Ware nicht nach oben tragen, denn die Lieferroboter können auch Treppen steigen. Möglich wird das durch Techniken wie Sensoren und mechatronische Antriebselemente (Aktuatoren). Hinzu kommen Möglichkeiten zur Umgebungswahrnehmung und -modellierung, Lokalisierung, Positionierung, Situationsanalyse und Entscheidungsfindung. Ob die kleinen Helfer Klingelschilder an großen Mehrfamilienhäusern lesen und dann die richtige Klingel drücken können, ist offen. Aber manchmal hat man den Eindruck, dass selbst Paketzusteller aus Fleisch und Blut dazu nicht in der Lage sind. Da der Empfänger aber ohnehin durch sein Smartphone identifizierbar ist, dürfte die Klingel kein Hindernis für den Zustellbot sein.

Paketzusteller und Smart City

Für Continental stellen autonom fahrende Fahrzeuge ein sehr wichtiges Element in den Smart Cities der Zukunft dar. „Sie werden von vielen Experten als Schlüsselelement zukünftiger Mobilitätskonzepte gesehen, um den Herausforderungen der Urbanisierung zu begegnen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Das bezieht sich sowohl auf den Individualverkehr als auch auf den durch Warenlieferungen verursachten Verkehr. Während es für den Individualverkehr Spitzenzeiten gibt, kann der Lieferverkehr die ruhigeren Phasen nutzen. Allerdings gilt es dann auch zu berücksichtigen, dass unter Tags viele Menschen (noch) an einem Arbeitsplatz sind und die Waren zuhause nicht entgegen nehmen können. Lieferungen zum Arbeitsplatz oder Warenablage in Kofferräumen sind deshalb bereits jetzt möglich.

Dieser Change hat eine große Relevanz. Denn in Deutschland wächst die Kurier-, Express- und Paketbranche (KEP). Nach Angaben des 1982 gegründeten Bundesverbands Paket und Expresslogistik (BIEK) wurden 2017 insgesamt 3,35 Milliarden Sendungen transportiert. Das waren rund 190 Millionen mehr als im Jahr davor. Im gleichen Jahr arbeiteten 229.600 Menschen in dieser Branche, 10.000 mehr als im Vorjahr. Das sind nicht nur Zusteller, sondern zum Beispiel auch Beschäftigte in Depots. Dennoch werden der Branche bis 2025 mindestens 100.000 Zusteller fehlen. Mit dem neuen Konzept von Continental dürfte diese Rechnung anders ausfallen.

Foto: Continental

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Dr. Dominik Faust

Dominik verfügt über langjährige Expertise und etliche Zertifikate in Leadership, Change Management und digitale Kommunikation. Im Top-Management hat er selbst Unternehmen restrukturiert sowie zahllose Prozesse und Strukturen optimiert. Er promovierte über notwendige Veränderungen internationaler Organisationen zur Steigerung ihrer Effektivität und Effizienz. Dominik ist Gastdozent für Change Management und Change Communications an mehreren Hochschulen. Auf diesen Gebieten berät er seit Jahren Manager auf C-Level.

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