Jeder erfolgreiche Wandel braucht eine Change-Vision

13/10/2018 Dr. Dominik Faust

Jeder erfolgreiche Wandel braucht eine Change-Vision

Wie John F. Kennedy und Martin Luther King motivierten und vereinten

Ohne Change-Vision gelingt kein erfolgreicher Wandel. Das erleben wir von der Changeberatung viadoo vor allem dann sehr anschaulich, wenn wir zu einem Zeitpunkt hinzugezogen werden, an dem Veränderungsvorhaben auf fachlicher Ebene (neue Strategie, neue Prozesse, Zusammenlegen von Organisationseinheiten, neue IT-Systeme etc.) bereits seit Monaten in vollem Gange sind. Gerade dann ist es herausfordernd, besonders eine zentrale Bedingung für einen erfolgreichen Change noch erfüllt zu bekommen: Die Entwicklung einer gemeinsamen Vision von der Soll-Situation. Dass dies häufig vernachlässigt wird, ist erstaunlich. Denn es gibt nicht zuletzt aus der jüngsten Geschichte anschauliche Beispiele dafür, welche Kräfte Visionen in Gruppen (aka Teams) freisetzen können.

Bei der Change-Vision handelt es sich um eine Vorstellung davon, welche Situation sich nach einer Veränderung einstellen soll. Nicht immer ist im Top-Management anerkannt, welche Bedeutung diese Soll-Situation (aka Vision) für den Erfolg eines Change-Projektes hat. Das mag daran liegen, dass dieser Begriff im Deutschen mehrere Bedeutungen hat und daher auch schon mal mit Wahnvorstellungen gleichgesetzt wird („Wer Visionen hat, der soll zum Arzt“, Helmut Schmidt).

Wer jedoch richtigerweise Vision mit einem Bild von der Zukunft gleichsetzt, wird ihre Bedeutung für Change-Prozesse schnell erkennen. Aus unserer Beratertätigkeit im Bereich Change Management wissen wir, welche Vorteile eine Change-Vision birgt. Einige davon stellen wir in diesem Beitrag vor:

Die Change-Vision als Motivation 

Eine Vision ist eine Vorstellung von der Situation nach einer Veränderung. Sie ist ein motivierendes Element. Ein immer noch beeindruckendes Beispiel dafür ist die Vision, die US-Präsident John F. Kennedy zu Beginn der 60er Jahre für die Raumfahrt seines Landes formuliert hatte. Er verkündete sie im Rahmen seiner großen „Moon Speech“ an der Rice University in Houston, Texas:

„We choose to go to the Moon in this decade and do the other things, not because they are easy, but because they are hard; because that goal will serve to organize and measure the best of our energies and skills, because that challenge is one that we are willing to accept, one we are unwilling to postpone, and one we intend to win, […].“

John F. Kennedy, September 12, 1962

Kennedys Vision war verständlich, weil sehr allgemein gehaltenen. Sie lautete verkürzt: Am Ende des Jahrzehnts werden die USA einen Menschen auf dem Mond haben. Damit konnte sich jede Teil- und Unterorganisation der NASA identifizieren und sie für sich und die eigene Arbeit interpretieren. Am 20. Juli 1969 war es dann tatsächlich soweit: Neil Armstrong setzte als erster Mensch seinen Fuß auf dem Mond.

Bezogen auf einen Change-Prozesse bedeutet die Vision als Instrument der Motivation Folgendes: Ohne eine gemeinsame Version würde jeder Organisationsebene (vom Vorstand bis zum Pförtner) ein zentrales Argument dafür fehlen, sich für einen fachlichen Change zu engagieren.

Die Change-Vision als einendes Band 

Eine Vision hat außerdem die Funktion eines einenden Bandes. Ein weiteres Beispiel dafür entstammt ebenfalls der US-Geschichte. Diese Change-Vision wurde vorgetragen von Martin Luther King Jr. in Form eines Traumes, den der Aktivist hatte. Dieser Traum sah im Kern die Überwindung der Rassentrennung vor.

“I have a dream today. […] 

I have a dream that my four little children will one day live in a nation where they will not be judged by the color of their skin but by the content of their character.

I have a dream today. […]“ 

Martin Luther King Jr., August 28, 1963

Kings Vision war ebenso verständlich wie rhetorisch brillant formuliert und vorgetragen. Die Redundanz des Traums ist bis heute im kollektiven Gedächtnis (insbesondere der US-Gesellschaft) verankert. Letztlich konnte sich sogar 25 Jahre später Barack Obama darauf beziehen und als erster farbiger Präsident der Vereinigten Staaten gewählt werden.

Bezogen auf einen Change-Prozess bedeutet die Vision als einendes Band Folgendes: Ohne Vision wird es schwer, eine Mehrheit an Unterstützern bzw. Change Agents zu gewinnen, die die gewünschte fachliche Transformation proaktiv unterstützen.

Die Liste von Risiken ist lang, die den Erfolg eines Change-Projekts gefährden können. So können Beschäftigte ohne gemeinsame Vision verunsichert werden und in den Widerstand gehen. In solchen Situationen kündigen in der Regel die Best Performer zuerst. Die Verbliebenen machen Dienste nach Vorschrift. Die Zahl der Arbeitsunfähigkeit-Bescheinigungen steigt. Wünsche nach Arbeitszeitverkürzungen wachsen.

Zentrale Merkmale einer Vision

Eine Vision zu entwickeln, ist herausfordernd. Wir von der Changeberatung viadoo setzen dazu spezielle Methoden und Techniken ein. Entscheidend ist, dass eine Vision am Ende die folgenden Merkmale aufweist:

  1. Leicht vorstellbar (bildhaft)
  2. Einfach zu kommunizieren und zu erklären
  3. Beinhaltet realistische Ziele
  4. Lässt individuelle Initiativen zu (allgemein genug)
  5. Dient als Hilfestellung bei Entscheidungen
  6. Hat starken Bezug zum Unternehmen / zur Organisation
  7. Deckt sich mit den Interessen der Stakeholder

Wer sich die beiden vorgenannten Beispiel ansieht, wird feststellen, dass sowohl die Vision von John F. Kennedy als auch jene von Martin Luther King Jr. diese Merkmale enthielt. Bei der Entwicklung von Visionen bzw. Vorstellungen von der Zukunft, der Soll-Situation unterstützen wir von der Changeberatung viadoo Organisationen und berücksichtigen dabei die individuellen Rahmenbedingungen. 

Foto: National Museum of the U.S. Navy [Public domain], via Wikimedia Commons

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Dr. Dominik Faust

Der Autor verbindet operative Change-Leadership-Erfahrung mit hoher Methodenkompetenz sowie zertifizierte Veränderungs-Kompetenz mit multimedialer Storytelling-Expertise. Er verfügt über langjährige Expertise und etliche Zertifikate in Change Leadership, Change Management, digitaler Kommunikation und Facilitation. Als Führungskraft (+70 MA) und Top-Management-Berater hat er bereits zahlreiche Wandelvorhaben erfolgreich initiiert und konzipiert. Dominik promovierte über notwendige Veränderungen internationaler Organisationen zur Steigerung ihrer Effektivität und Effizienz. Auf Basis seiner breiten theoretischen und praktischen Change-Expertise berät er im viadoo-Team erfolgreich Führungskräfte auf C-Level.