Mitarbeitergespräche: Position im IHK-Magazin München

30. Juli 2019
30. Juli 2019 Dr. Dominik Faust

Mitarbeitergespräche: Position im IHK-Magazin München

Mitarbeitergespräche im Jahresrhythmus waren früher sinnvoll und notwendig. Heute sind sie anachronistisch. Der Grund: Die Einheit „Jahr“ als überschau-  und planbarer Zeitraum für die Kommunikation mit Mitarbeitenden passt buchstäblich nicht mehr in die Zeit. Die ist nämlich geprägt von einer hohen Dynamik. Zu diesem Thema wurde die Changeberatung viadoo von der Redaktion des Magazins der IHK München und Oberbayern um eine Position gebeten. Sie ist in der aktuellen Ausgabe des Heftes erschienen.

Nach unserer Überzeugung sind Mitarbeitergespräche im Jahresrhythmus deshalb anachronistisch, weil sich die VUKA-Welt viel schneller dreht als früher. Die Situation von Unternehmen und Beschäftigten ist geprägt von immer schneller aufeinander folgenden Changes. Von immer kürzeren Zyklen in Entwicklung, Produktion, Aftersales. Von immer kurz- bis mittelfristigeren Zielen. Von flacheren Hierarchien, schrumpfenden Autoritäten und sinkenden Bedeutung von Arbeit als etwas Sinnstiftendes. Von sich immer häufiger selbst organisierenden Teams. Von höheren Fluktuationen und neuen Arbeitszeitmodellen. Von neuen Formen der Kollaboration und Kooperation. Von häufigeren, dafür kürzeren Meetings etwa in Form regelmäßiger Stand-ups inklusive der agilen Methode Timeboxing. Das alles sind Aspekte von „New Work“ und beinhaltet entsprechende Herausforderungen für Führungskräfte.

Mitarbeitergespräche im Jahresrhythmus nicht mehr SMART

Gilt das auch für Unternehmen, die (noch) nicht so agil sind und diese und andere Elemente der Arbeitswelt 4.0 nicht in ihre Prozesse und Strukturen integriert haben? Ja! Aus unserer Erfahrung als Changeberater wissen wir, dass selbst in primär hierarchisch organisierten Unternehmen Mitarbeitergespräche mittlerweile in höheren Frequenzen statt finden – etwa in Form von Vierteljahresgesprächen. Denn auch diese Firmen haben erkannt, dass ein auf zwölf Monate angelegtes „Management by Objectives“ (MbO) im Zeitalter rapider Innovationen & Veränderungen im Grunde nicht mehr SMART (Spezifisch, Messbar, Akzeptiert, Realistisch und Terminierbar) ist. Das gilt erst recht für Startups und agile Unternehmen, die auf neue Formen der Beteiligung setzen. Dort wählen sich Teams zum Beispiel eigene kurz- bis mittelfristige (ambitionierte!) Ziele und Meilensteine. Klar, dass diese „Objectives & Key Results“ (OKR) dann auch in kürzeren Zeiträumen evaluiert werden müssen, wie etwa das Beispiel von myMüsli zeigt. 

Betriebsvereinbarungen passen nicht mehr in die Zeit

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Mitarbeitergespräche als Mittel effektiver Personal-Entwicklung, -Führung und -Motivation sind essenziell. Doch nicht immer passen die dazugehörigen HR-Prozesse (Schulungen, Leitfäden, Betriebsvereinbarungen etc.) samt der darin enthaltenen Vorlagen und Fristen noch in die Zeit. Unternehmen, die ihre Kultur, ihre Prozesse und Strukturen den Herausforderungen des digitalen Wandels anpassen möchten, sei daher auch eine Überprüfung dieser Prozesse empfohlen. Denn das eine kann nicht ohne das andere gelingen. 

MitarbeitergesprächeFotos: Aktuelle Ausgabe des Magazins der IHK München und Oberbayern

Dr. Dominik Faust

Dominik verfügt über langjährige Expertise und etliche Zertifikate in Leadership, Change Management und digitale Kommunikation. Im Top-Management hat er selbst Unternehmen restrukturiert sowie zahllose Prozesse und Strukturen optimiert. Er promovierte über notwendige Veränderungen internationaler Organisationen zur Steigerung ihrer Effektivität und Effizienz. Dominik ist Gastdozent für Change Management und Change Communications an mehreren Hochschulen. Auf diesen Gebieten berät er seit Jahren Manager auf C-Level.