Medienhaus 2.0 auf dem Future Media Summit

29/09/2012 viadoo GmbH

Medienhaus 2.0 auf dem Future Media Summit

Mit virtuellem Newsroom Abschied von starren Silos mildern

Der Medienhaus Newsroom kann eine Vorlage für den Corporate Newsroom in Unternehmen sein. Denn viele Verlage und Sendeanstalten sind längst moderne Medienhäuser, die trimediale Antworten auf geänderte Mediennutzung liefern. Sie haben verstanden, dass die Zeit des spartenzentrierten Journalismus überholt ist. Sie haben verstanden, dass sie Themen-orientiert arbeiten und ihre qualitativ hochwertig aufbereiteten Inhalte über alle relevanten Ausspielkanäle publizieren müssen. Moderne Medienhäuser begreifen sich außerdem nicht mehr nur als Sender, sondern auch als Empfänger, die ihre Nutzer partizipieren lassen, mit ihnen kommunizieren. Welchen Herausforderungen begegnen moderne Medienhäuser und wie können sie sich mit einem Medienhaus Newsroom strukturell darauf einstellen? Darüber referierte Dr. Dominik Faust auf Einladung der Kongress Media GmbH am 25. September auf dem Future Media Summit in Hamburg.

„Our future is on to video, to social, to mobile“

Es sind vor allem die folgenden Herausforderungen, auf die sich moderne Medienhäuser im Bereich New Media heutzutage einstellen müssen:

    1. Bedeutungsverlust von Print
    2. Bedeutungsgewinn von Bewegtbild
    3. Zeitunabhängige Mediennutzung
    4. Synchrone Mediennutzung
    5. Mobile Mediennutzung

Darauf gilt es einzugehen, insbesondere durch Themenorientierung, crossmedialen Content und Interaktionen mit den Nutzern (Update vom 10.10.2012: Das ZDF hat zum Beispiel zum Neustart von Wetten, dass …? mit Markus Lanz am vergangenen Samstag eine Webapp für die Partizipation der Zuschauer am Second Screen entwickelt).

In der internationalen Medienlandschaft wird dieses Szenario aktuell dadurch bestätigt, dass die altehrwürdige New York Times im November mit Mark Thompson einen neuen Chef bekommen wird, der bislang TV-Profi und Director General bei der BBC war. NYT-Verleger Arthur Sulzberger Jr. begründete im August seine Entscheidung so:

“We have people who understand print very well, the best in the business. We have people who understand advertising well, the best in the business. But our future is on to video, to social, to mobile. It doesn’t mirror what we’ve done. It broadens what we are going to do.”

Doch die Erkenntnis, dass sich die Mediennutzung ändert, und Experten an der operativen Spitze moderner Medienhäuser, die die entsprechenden Konsequenzen ziehen können, genügen nicht. Entscheidend bleibt, dass Verleger, Herausgeber, Aufsichtsräte, sonstige Verantwortliche bereit sind, diese Konsequenzen auch zu ziehen. Bei der NYTimes zum Beispiel räumt Verleger Sulzberger Jr. seinem neuen CEO Thompson die dafür erforderlichen Kompetenzen vorbehaltlos ein.

Der Medienhaus Newsroom als Lösung

Thompson kann, Thompson soll das Medienhaus der NYT umbauen und fit für die Zukunft machen. Als eine entscheidende Antwort auf die genannten Herausforderungen, auf den Umgang mit der geänderten Mediennutzung hat Dominik Faust auf dem Zukunftskongress in Hamburg das Newsdesk bzw. den Medienhaus Newsroom genannt. Schon vor rund zehn Jahren hat er sich solche integrierten Nachrichtenräume moderner Medienhäuser in Berlin und Hamburg angesehen. In jüngster Zeit analysiert er auch trimediale Newsrooms von Rundfunkhäusern und Fernsehsendern. Ihre Vorteile liegen auf der Hand:

    1. Journalisten arbeiten im Newsroom medienübergreifend und Themen-orientiert zusammen,
    2. sie haben alle Ausspielkanäle im Blick und im Bewusstsein,
    3. sie können sich als ein Team schnell untereinander abstimmen,
    4. der Informationsfluss fließt unmittelbar,
    5. die Arbeit wird effektiver und effizienter.

Von Silos über virtuelle Vernetzung zum Newsroom

Noch sind jedoch selbst in großen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten derartige Strukturen nicht überall eingeführt. Auf dem Future Media Summit in Hamburg legte Faust daher dar, wie der Schritt von klassischen Redaktionsstrukturen (Separate) über den Zwischenschritt erster Vernetzungen (Joint) hin zu einem effektiven Medienhaus Newsroom (Combined) gelingen kann. Der Zwischenschritt „Joint“ bietet sich im Change-Prozess besonders dort an, wo die Silo-Strukturen über Jahrzehnte gewachsen und daher stark verfestigt und verkrustet sind. Denn das Besondere dieser Idee ist der virtuelle Charakter der Lösung, die ohne tiefgreifende räumliche Einschnitte auskommt.

Allerdings erfordert auch der Zwischenschritt ein Überwinden des Silo-Denkens! Denn wie in einem virtuellen Newsroom sind die Protagonisten in der Joint-Stufe über ein gemeinsames Tool zur Themen- und Terminplanung miteinander verbunden. Alle werden per Push-Nachrichten informiert, wenn eine Kollegin oder ein Kollege ein neues Thema oder einen neuen Termin einstellt. Für den Austausch untereinander sorgt im virtuellen Newsroom eine Meetingstruktur mit regelmäßiger Konferenz aller beteiligten Redaktionen. Die Redaktionskonferenz als Gremium plant sowohl strategisch als auch kurz- und mittelfristig Themen und Beiträge. Diese werden dann nach ihrer Fertigstellung zu definierten Zeiten über die entsprechenden Kanäle ausgespielt.

Weitere Themen auf dem Future Media Summit

Der Future Media Summit war Teil (Track 3) des Digital Marketing & Media SUMMIT. In Track 3 trugen neben Dominik Faust (Medienhaus Newsroom) weitere Medienmanager und Journalisten innovative Konzepte vor. So berichtete Rolf Grummel (Deister- und Weserzeitung) über Pläne, künftig Drohnen einzusetzen sowie einen Premiumbereich u.a. mit Zeitraffer-Filmen und Augmented Reality hinter einer Paywall einzurichten. Daniel Fiene gewährte Einblicke in das interaktive Social-TV-Projekt „Rundshow“ vom Bayerischen Rundfunk (BR) mit seinem Kollegen Richard Gutjahr. Ein weiteres Thema war die neue Form der Kooperation zwischen Reportern vor Ort, Redakteuren am Newsdesk bzw. im Newsroom sowie Teilnehmern der Aktion „Blockupy Frankfurt“. Darüber referierten Thilo Barz und Tom Klein vom Hessischen Rundfunk (HR).

Wer mehr erfahren möchte, findet unter anderem bei diesen Autoren weitere Berichte:

Gerne sei hier noch Marie-Christine Schindler zitiert. Sie schrieb auf der Website des Digital Media Women e.V. unter anderem: „Der dritte Beitrag, den ich förmlich eingesogen habe, kam von Dr. Dominik Faust, dem Leiter Medienhaus im Bistum Würzburg. Er hat nachvollziehbar und damit überzeugend dargelegt, wie er das Medienhaus fit für die crossmediale Kommunikation in klassischen und online Medien machen will.“ Und noch während des Vortrags twitterte sie:

Foto: © Faust / viadoo GmbH

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