Künstliche Intelligenz und Leadership: Kollege Roboter

Künstliche Intelligenz und Leadership: Kollege Roboter

In den vergangenen Jahren haben wir in Vorträgen, Schulungen, Fachartikeln, Blogposts, aber auch in unseren Kanälen auf Facebook und YouTube immer wieder auf Berufe hingewiesen, die in Zukunft durch künstliche Intelligenz disruptiert werden. Dazu gehörten unter anderem der Paketzusteller, der Postbote, der (Auto-)Verkäufer, aber auch der Maurer, der Schaffner, der Fahrschullehrer, der Lkw-Fahrer. Natürlich sind Prognosen immer dann besonders schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen (Mark Twain). Sicher ist aber, dass Menschen künftig in sehr vielen Fällen mit Automaten zusammenarbeiten werden, die mit künstlicher Intelligenz  ausgestattet sind. Aber sind wir auch auf diesen Change vorbereitet und bereit für den Kollegen Roboter?

Bei IBM haben die Forscher eine sehr genaue Vorstellungen davon, wie künstliche Intelligenz die Arbeit von Menschen erleichtern und wie sie ihre Zusammenarbeit mit programmierten Einheiten verändern soll. In den Mittelpunkt ihrer Entwicklungen stellt das seit 1924 unter dem Namen „International Business Machines“ firmierende US-Unternehmen seit einigen Jahren das Computerprogramm „Watson“. Sie haben es konzipiert, um eine riesige Datenbank zu generieren, die Menschen bei komplexen Fragestellungen und schnellen Entscheidungen unterstützt. Prompt ersetzte 2017 die japanische Versicherungsfirma Fukoku Mutual Life Insurance 34 Angestellte durch diese Software. An der Stelle dieser Menschen scannt nun „Watson“ zum Beispiel Patientenakten und berechnet Ansprüche von Versicherten.

Künstliche Intelligenz killt Berufe mit hohem Routineanteil

Es gibt etliche Untersuchungen, die der Frage nachgehen, welche Berufsgruppen künftig durch die Digitalisierung bzw. durch künstliche Intelligenz ersetzt werden können. Mit Blick auf das Beispiel „Watson“ wird klar, dass es sich hierbei vorrangig um Bürokräfte und andere Berufe mit hohem Routineanteil handelt. Nach einer Studie des McKinsey Global Institute könnte das allein in Deutschland bis zu zwölf Millionen Beschäftigte betreffen. Dagegen werden Berufe, bei denen menschliche Kommunikation, Kreativität und Empathie eine große Rolle spielen, überleben. Unsere folgende Grafik belegt das noch einmal:

Verstärkter Wunsch nach mehr Kreativität und Autonomie

Während also auf der einen Seite verstärkt Roboter und künstliche Intelligenz in den beruflichen Alltag der Menschen ziehen, ändern diese allmählich ihren inneren Werte-Kompass. Gerade die junge Generation legt immer weniger Wert auf Erfolge im Beruf. Statt dessen wollen sie immer mehr das Leben genießen, sich entfalten, ihren Hobbys und Interessen nachgehen. Das deckt sich sowohl mit unseren Erfahrungen als Führungskräfte und Berater als auch mit Ergebnissen der McDonald’s Ausbildungsstudien der Jahre 2013, 2015 und 2017. Zentrale Fakten daraus haben wir in der folgenden interaktiven Grafik zusammengefasst.

(Beim Klick auf die Jahreszahlen werden die entsprechenden Werte angezeigt.)


Beschäftigte von heute und morgen wollen kreativ sein können und mehr Autonomie im Job haben. Dazu gehören Teilzeitmodelle und Sabbaticals sowie die räumliche Abkapselung vom Unternehmen mittels Mobile- oder Homeoffice. Die Möglichkeiten der Digitalisierung spielen dieser Entwicklung in die Hände, wie etwa ortsunabhängig arbeitenden Digitalnomaden belegen. Auch der verstärkte Drang zu beruflicher Selbständigkeit und das damit zusammenhängende Risiko, dass Unternehmen an Bedeutung für die Produktivität von Menschen verlieren, resultiert aus dem Streben des modernen Menschen nach Kreativität und Autonomie. Daraus ergeben sich große organisatorische Herausforderungen wie wir aus eigener Erfahrung wissen.

Menschliche Faktoren werden zunehmend gefragt

Je mehr Menschen mit Robotern zusammenarbeiten, und je mehr sich für Menschen die Bedeutung des Faktors Arbeit wandelt, desto wichtiger werden zwischenmenschliche Kommunikation und Soft Skills wie Empathie, Kreativität, die Fähigkeit, zuhören zu können. Sie werden gerade dort benötigt, wo alte Organisationsstrukturen aufgebrochen werden, um mit agilen Modellen den Herausforderungen einer sich immer schneller drehenden Welt wirksam begegnen zu können. Wir haben das hier im Blog am Beispiel Ryte und Spotify aufgezeigt. An die Stelle hierarchischer Strukturen treten immer häufiger crossfunktionale Teams bzw. Projekt-Strukturen, wie sie in Matrix-Organisationen zu finden sind. Führung bzw. Leadership erfolgt dann nicht mehr vertikal, sondern horizontal. An die Stelle einer „Ordre de Mufti“ müssen Transparenz und Überzeugung treten. Dazu wiederum benötigen alle Beteiligte, also sowohl Führungskräfte als auch Mitarbeitende unter anderem diese Soft Skills:

  • ausgeprägte kommunikative Fähigkeiten,
  • Empathie,
  • gegenseitiges Vertrauen (auch als Basis für konstruktive Auseinandersetzungen),
  • Aufgeschlossenheit,
  • den Blick fürs große Ganze.

Hinzu kommen Hard Skills wie ICT-Kompetenzen, den Willen zum Vernetzen interner und externer Ressourcen, die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen, das Wissen um agile Methoden, Routine in der raschen Lagebeurteilung und Entscheidungsfindung. Denn künstliche Intelligenz sollte von Menschen immer auch hinterfragt und die Plausibilität des Outputs des Kollegen Roboter rasch überprüft werden können.

Digitale Schulung analoger Fähigkeiten

Der entsprechende Bedarf an notwendigen Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen wird unter anderem über digitale Schulungsmethoden wie Gamification gedeckt. Das Beispiel Audi haben wir in diesem Zusammenhang hier im Blog bereits vorgestellt: Der bayerische Premiumhersteller trainiert Händler für den erfolgreichen Umgang mit Kunden. Dazu hat er ein Computerspiel für Smartphones und Tablets entwickelt. Das System nutzt künstliche Intelligenz und greift auf eine Datenbank mit über 66 Millionen verschiedenen Dialogen zu. Pro Gespräch sind zwischen 1,4 und 2,1 Millionen Rede- bzw. Antwortkombinationen möglich.

Fazit

Die Welt dreht sich immer schneller, angetrieben durch die scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten der Digitalisierung. Menschen konzentrieren sich vor diesem Hintergrund verstärkt auf die Dinge, die ihnen Freude bereiten. Der Beruf verliert dabei an Stellenwert. Gleichzeitig zieht die künstliche Intelligenz in die Arbeitswelt ein. Die einen verlieren dadurch ihre Arbeit. Viele aber arbeiten fortan mit Kollege Roboter zusammen, der ihnen Arbeiten abnimmt. Diese Entwicklung stellt ganz neue Anforderungen an die Qualifikation von Führungskräften und Mitarbeitenden. Das gilt vor allem dann, wenn man auch noch die vielen fachlichen Veränderungen betrachtet, die zum Alltag von „New Work“ gehören. Wir unterstützen Unternehmen dabei, all diese Faktoren bei ihren Change-Prozessen zu berücksichtigen, damit sie gelingen.

Dr. Dominik Faust

Dominik verfügt über langjährige Expertise und etliche Zertifikate in Leadership, Change Management und digitale Kommunikation. Im Top-Management hat er selbst Unternehmen restrukturiert sowie zahllose Prozesse und Strukturen optimiert. Er promovierte über notwendige Veränderungen internationaler Organisationen zur Steigerung ihrer Effektivität und Effizienz. Dominik ist Dozent für Change Management und Change Communications an mehreren Hochschulen. Auf diesen Gebieten berät er seit Jahren Manager auf C-Level.